75 Jahre American Society for Information Science and Technology

Die American Society for Information Science and Technology (ASIST), die 1937 als American Documentation Institute (ADI) gegründet wurde, feiert 2012 ihren 75. Geburtstag.

Im Oktober wird zusammen mit der Jahrestagung eine spezielle Konferenz mit dem Titel "History of ASIS&T and Information Science and Technology Worldwide" veranstaltet.

Schon jetzt steht das 1990 veröffentlichte Buch von Irene Farkas-Conn "From Documentation to Information Science : The Beginnings and Early Development of the American Documentation Institute-American Society for Information Science" als eBook frei zur Verfügung.

Vorträge zur Geschichte der ASIST vom 2011 Annual Meeting sind über YouTube anzusehen, darunter auch ein Beitrag des ehemaligen ASIST-Präsidenten Michael Buckland.

Interessant auch eine Liste "ASIS&T/ IST Historical Documents and Archival Records that are available on the Web (A Preliminary List as of March, 2012)" (Word-Dokument!).

Mal schauen, was noch anlässlich des Geburtstages der ASIST publiziert wird.

Aufsätze und politische Statements zur Informationskompetenz

Drei spannende Aufsätze sind gerade im "Nordic Journal of Information Literacy in Higher Education" erschienen (Vol 4, No 1 (2012), Dank an Sheila Webber für den Hinweis in ihrem Blog):

Während der Beitrag von Sonja Spiranec und Mihaela Banek Zorica vor dem Hintergrund einer "Science 2.0" über veränderte Rahmen und Konzepte von Informationskompetenz nachdenkt, reflektiert Andrew Whitworth über Auswirkungen solch einen Übergangs auf die Theorie und Praxis der didaktischen Vermittlung.

Ein Beispiel für das Thema von Sirje Virkus Beitrag lässt sich auch gerade wieder in Deutschland betrachten, wo die beiden wissenschaftspolitischen Institutionen Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sich einen Wettkampf um die Deutungshoheit bei der Weiterentwicklung der Informations-Infrastruktur in Deutschland liefern. 😎 Immerhin ist das Thema Informationskompetenz in beiden Papieren erwähnt:

  • Positionspapier "Die digitale Transformation weiter gestalten – der Beitrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu einer innovativen Informationsinfrastruktur für die Forschung" DFG (Juli 2012).

    "Die Fähigkeit, mit einer steigenden Menge von Informationen und Informationsquellen sowie mit komplexer werdenden Kommunikationsstrukturen umzugehen, bedingt ein hohes Maß an Medien- und Informationskompetenz jenseits einer reinen Recherchekompetenz. Diese Anforderung sollte unter anderem in den Curricula der Graduierten- und Postgraduiertenausbildung verbindlich verankert werden, um gezielte Verbesserungen einer allgemeinen, fächerübergreifenden ebenso wie einer spezifischen, fachnahen Nutzung der modernen digitalen Informationsinfrastruktur zu erreichen."

    (S. 4)

  • Empfehlungen zur Weiterentwickung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland bis 2020 (Drs. 2359-12) Wissenschaftsrat (Juli 2012)
  • "Der Wissenschaftsrat spricht sich dafür aus, dass die insbesondere Informations- und Medienkompetenz (Medienbildung) für den digitalen Bereich umfassende Kulturtechnik bereits im schulischen Fachunterricht erworben und im Rahmen jedes grundständigen Studienganges an Hochschulen vertieft wird. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Kulturtechnik ist zudem die Fähigkeit zu reflektieren, ‚inwiefern Medien in ihrer sozialkommunikativen, ästhetischen und technischen Dimension stets zugleich auch mitkonstituieren, was sie nur zu vermitteln bzw. zu transportieren scheinen.’"

    (Abschnitt B.II Zu Nutzungsformen, Teil II.1 Medienbezogene Kulturtechniken und Informationskompetenz, S. 41-42)

    Der Ausdruck Kulturtechnik an dieser Stelle gefällt mir. 😎

Kritische Informations- und Medienkompetenz

Das Buch mit dem Titel "Kritische Informations- und Medienkompetenz : Theoretisch-konzeptionelle Herleitung und empirische Betrachtungen am Beispiel der Lehrerausbildung" (Waxmann Verlag, 2012) ist mir schon im Frühjahr aufgefallen und zwischendurch entfallen. Das Buch steht frei im Internet zum Download zur Verfügung. Es betrachtet den spannenden Zusammenhang zwischen kritischem Denken und Informations- und Medienkompetenz.

Autorin des Werkes ist Mandy Schiefner-Rohs, die auch mit einen lesenswerten Blog mit dem Namen Head.Z betreibt. Das Buch wurde als Dissertation an der Universität der Bundeswehr München angenommenen. Betreuende war Gabi Reinmann, Professur für Lehren und Lernen mit Medien, die in diesem Blog schon mehrfach erwähnt wurde.

Frauen in den Informationswissenschaften

In der Zeitschrift "Libraries & the Cultural Record", die nach einer Umbenennung seit 2012 nun den schönen Titel "Information & Culture: A Journal of History" trägt, ist als "Sample Issue" zur Zeit das Heft mit dem Titel "Women Pioneers in the Information Sciences, Part II" (Volume 45, Number 2, 2010) frei zugänglich. Das Editiorial zur Umbenennung ist auszugsweise frei verfügbar.

Die Biographien der beschriebenen Frauen Madeline M. Henderson, Martha E. Williams, Pauline Atherton Cochrane und Elfreda Annmary Chatman geben ein schönen Einblick in die Informationswelt der 50er bis 70er Jahre, dem Beginn des Computer- und Online-Zeitalters nicht nur im Informationsbereich!

Den Artikel "Shaping Information History as an Intellectual Discipline" von James W. Cortada (pp. 119-144) im aktuellen Heft 2 von Volume 47, 2012 habe ich mir gerade per Fernleihe bestellt.

Informationskompetenz neu denken

Die folgenden Texte und Präsentationen, die versuchen Informationskompetenz neu zu denken bzw. die Veränderungen des Verständnisses von Informationskompetenz sichtbar machen, sind mir in letzter Zeit aufgefallen:

Gefreut habe ich mich über die Resonanz auf meine vor gut einem Monat ins Netz gestellte Präsentation "Information culture – different views on information literacy", die laut Slideshare innerhalb dieses Monats mehr als 4000 Mal angeschaut wurde. Zu danken ist dies Beiträgen in den Blogs von Sheila Webber und Olivier Le Deuff. Etwas, was auf Englisch "publiziert" wird, wird international doch eher wahrgenommen.