Und wieder Paul Otlet …

Nach meinem kurzen Vortrag im Rahmen der Mitgliederversammlung der DGI auf der 30. DGI-Online-Tagung (zugleich 60. Jahrestagung der DGI) am 16. Oktober 2008 mit dem Titel „Information damals – Otlet & Co : Ein Ausflug in die Frühgeschichte der modernen Informationsgesellschaft“ wurde ich von Ulrike Spree, die wieder ihr Seminar „Klassiker der Wissensorganisation/des Information Retrieval“ veranstaltet, auf einen Film über Paul Otlet mit seinem Biografen Boyd Rayward mit dem Titel „Alle Kennis van de Wereld (Biography of Paul Otlet)“ (1998) hingewiesen, den ich bisher noch nie wirklich bewusst wahrgenommen habe! 😎

Mein Vortrag in Frankfurt zeigte einige Bilder aus Mons und ging dann aber auf Wilhelm Ostwald, Erich Pietsch und andere weniger bekannte deutsche Pioniere des Informationswesens ein.

Mehr zu Otlet auf Boyd’s Webseite, mehr zu Ostwald siehe auch meinen Text: Wilhelm Ostwald zu Organisation und Medium wissenschaftlicher Information und Kommunikation (Vienna Knowledge Net, 2008).

Die Website des Vienna Knowledge Net enthält interessante Texte rund um die digitale Welt und ihre Geschichte, so auch einen Aufsatz von Markus Krajewski mit dem Titel „Zitatzuträger. Aus der Geschichte der Zettel/Daten/Bank“

Frühe Suchmaschinen

Aus dem bibliothekarischen Weblog netbib hier der Hinweis auf eine Tagung in Wien zur Geschichte von Suchmaschinen unter dem Titel „Vor Google – Suchmaschinen im analogen Zeitalter“.

Besonders interessant ist das ebenfalls in netbib erwähnte Interview mit den Organisatoren der Tagung auf der Website des ORF, wird doch hier auch auf einen Zusammenhang zwischen Informationsgeschichte und Informationskompetenz hingeiwesen! 8-)!

ORF.at: Gibt es einen neuen Trend in den Sozial- und Geisteswissenschaften, sich angesichts von Google und anderen Werkzeugen mit diesen Fragen zu beschäftigen?
Anton Tantner: Es gibt tatsächlich, aus der Bibliothekswissenschaft kommend, Informationswissenschaftler, die sich auch historisch damit beschäftigt haben. Die große Frage ist auch die nach der „digitalen Generation“, die sozialwissenschaftlich intensiv beforscht wird. Wie organisieren Schulkinder im Internet-Zeitalter ihr Wissen? Wie verwenden sie Suchmaschinen? Das wird in Zukunft auch immer wichtiger für die universitäre Lehre. Was sollen Hochschullehrer in Zukunft vermitteln?

60. Jahrestagung der DGI – Jubiläumsheft

Das Heft 6-7 des Jahrgang 59 (2008) der Zeitschrift „Information – Wissenschaft und Praxis“ enthält anläßlich der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis u.a. interessante Beiträge zur Geschichte des deutschen Informationswesens und zum Thema Informationskompetenz:

  • Ein Editorial von Rainer Kuhlen: Auch über die Sechzig hinaus müssen Wissen und Information verfügbar bleiben.
  • Grussworte von ehemaligen Präsidenten der DGD/DGI: Peter Canisius, Arnoud de Kemp und Joachim-Felix Leonhard.
  • Ein Rückblick auf terminologische Arbeit im Dokumentationswesen von Axel Emert mit dem Titel: Begriffsordnung und Terminologie – Seit jeher unverzichtbar für die Dokumentation? (A-)KTS: Ein DGI-Komitee: Tradition, Zukunft, Aufgaben
  • Feiern wir wirklich den 60. Geburtstag der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation? fragt Eberhardt Gering
  • Den Abdruck des Manuskripts einer Vorlesung des von 1951 bis 1955 Ersten Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation (DGD), Prof. Dr. Hans Wilhelm Eppelsheimer (1890-1972), unter dem Titel „Vorlesungen zum Thema Bibliothekswesen und Dokumentation“ – Förderung von Informationskompetenz damals!
  • Eine Denkschrift der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI e.V.) zur Förderung der Informationskompetenz im Bildungssektor von Luzian Weisel und Alexander Botte – Förderung von Informationskompetenz heute!

Noch eine Anmerkung zum Beitrag von Eberhardt Gering, der die Frage zum 60-jährigen Jubiläum der Reaktivierung der DGD 1948 aufgreift, eine Diskussion, die vor 10 Jahren mit dem Aufsatz von Hansjoachim Samulowitz aus historischer Sicht behandelt wurde: 50 Jahre DGD? Anmerkungen zur „verschollenen“ Vorgeschichte der DGD. In: Nachrichten für Dokumentation 49(1998)6, S.331-332. Vor zwei Jahren hat Hansjoachim Samulowitz ein weiteres Mal etwas dazu geschrieben: Zur Gründungsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation. In: Nachrichten für Dokumentation, ISSN 0027-7436, Bd. 57 (2006), 4, S.191-196.

Von einem Vergessen der Gründungsgeschichte der DGD kann aus meiner Sicht keine Rede sein. Dass die DGD während der Zeit des Nationalsozialismus mit der gesamten Dokumentation Teil der Kriegswirtschaft war und auch eine propagandistische Rolle spielte, hat ja schon Elke Behrends in ihrer Dissertation dargestellt (Technisch-wissenschaftliche Dokumentation in Deutschland von 1900 bis 1945 : unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses von Bibliothek und Dokumentation / Behrends, Elke. Wiesbaden : Harrassowitz, 1995). Auch Erich Pietsch, der Vorsitzende der DGD nach Eppelsheimer, war ja in der NS-Zeit kein Heiliger und hat seine Rolle gespielt. Anpassung sowie Mitläufertum und das ‚Vergessen‘ derselben sind bei den in der DGD während und nach dem Kriege aktiven Personen genauso zu konstatieren wie bei den meisten anderen Deutschen, die diese Zeit mitgemacht haben.

Hier noch der Hinweis auf einen weiteren Beitrag zur Geschichte der DGD von Marlies Ockenfeld und Herrn Samulowitz auf der Konferenz 2002 in Philadelphia mit dem Titel „Libraries and Documentation in Germany: A Long-Lasting Conflict„.

Derek de Solla Price und die Geschichte der Scientometrie

Themenheft der Zeitschrift Research Trends des Verlages Elsevier bzw. seiner Tochter Scopus zum Wissenschaftswissenschaftler Derek de Solla Price, der besonders durch sein Buch „Little Science, Big Science“ bekannt wurde. Price hatte einigen Einfluss auf die Entwicklung von Scientometrie, Informetrie bzw. Bibliometrie.