Das Mundaneum und Paul Otlet – Neues zur Informationsgeschichte

Der Spiegel hat mal wieder – 2008 war die Überschrift noch "Der Vater der Zettelsuchmaschine" – einen Beitrag zu Paul Otlet veröffentlicht: "Netzvisionär Paul Otlet – Googles genialer Urahn" von Meike Laaff. Dies erfolgte im Rahmen eines Specials "20 Jahre World Wide Web".

Eine zum Thema passende, weitere spannende Website hat der Schweizer Philipp Messner gestaltet unter dem Titel "Isotype". Sie enthält einerseits einen Beitrag zum Mundaneum, andererseits eine Geschichte zur Entwicklung der Normung von Papierformaten in der Schweiz, die auch Karl Bührer und Wilhelm Ostwald erwähnt. Isotype ist übrigens eine von Otto Neurath in den zwanziger Jahren initiierte Bildsprache.

Ebenfalls mit Otlet und Ostwald, aber auch Neurath wird erwähnt, beschäftigte sich mein Bericht von einer Konferenz 2008 im belgischen Ghent "Analoge Räume – zur Geschichte des komplexen Verhältnisses von Information, Wissen und Raum", der jetzt auf dem TUHH-Dokumentenserver zur Verfügung steht.

Und zum Schluss sei noch ein Hinweis auf einen aktuellen Aufsatz (leider nicht frei verfügbar) zur Geschichte der Informationswissenschaft gestattet: William Aspray: The History of Information Science and Other Traditional Information Domains: Models for Future Research. In: Libraries & the Cultural Record. 46 (2011) 2, S. 230-248.

Informationskompetenz in der Chemie

Dass (Fach-)Kultur und Kontext auch beim Thema Informationskompetenz eine große Rolle spielen, zeigt die Entwicklung der "Information Competencies for Chemistry Undergraduates: the elements of information literacy" die im Mai 2011 als "Second edition" erschienen sind. Herausgegeben wurden diese von der Chemistry Division der Special Libraries Association.

Als wichtige Quelle zur Chemie-Information sei hier auch auf das Chemical Information Sources Wiki bei Wikibooks hingewiesen, eine Fundgrube! Entstanden ist diese aus Fachinformations-Seiten zur Chemie, die Gary Wiggins lange Zeit unterhalten hat.

Die Suche nach Stoffdaten ist immer wieder auch für die Forschungsarbeit in Verfahrenstechnik und Ingenieurwissenschaften eine große Herausforderung. Das Angebot Chemspider der Royal Society of Chemistry ist eine freie, modern gestaltete Datenbank zur Suche nach chemischen Stoffen in hunderten von Internet-Ressourcen. Chemspider bietet also so etwas wie eine chemische Meta-Suchmaschine.

Als Ergebnis der Recherche erhält man schnellen Zugriff und Links auf Wikipedia-Artikel, Daten angeschlossener Datenquellen (auch zu Sicherheits- und Toxizitäts-Daten), Patente, Aufsätze, Namen, Synonyme, Beschreibungen (teilweise mit Videos), Eigenschaften, Spektren und anderes.

Mehr zur Recherche nach chemischen Stoffdaten auf der Website der TUHH-Bibliothek! Den Hinweis auf Chemspider verdanke ich einer Mail von A. Ben Wagner von der University at Buffalo in der Mailing-Liste CHMINF-L, der vor kurzem seinen Artikel „Finding Physical Properties of Chemicals: A Practical Guide for Scientists, Engineers, and Librarians“ von 2003, aktualisiert bzgl. der Links, ins Netz gestellt hat.