Zur Archäologie von Metadaten – ein Erfahrungsbericht

Auf dem BibCamp wurde ich von Adrian Pohl nach Literatur zur Geschichte der Katalogisierung und von Metadaten gefragt. Bisher habe ich leider keine Zeit gefunden, hier mal zu schauen, was dazu schon veröffentlicht wurde. Die Aktivitäten der Brücke kann man sicher dazu zählen, vgl. die Folien 25 und 26 meiner Präsentation "Information damals".

Aber auch aktuell genutzte Metadaten haben eine Geschichte, was ich an zwei Beispielen illustrieren möchte.
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Mundaneum: Archives of Knowledge

Gerade fand am Mundaneum in Mons eine Konferenz mit dem Titel "Transcending Boundaries in Europe in the Period of the Belle Epoque: Organizing Knowledge, Mobilizing Networks, and Effecting Social Change" statt, an der ich leider kurzfristig verhindert war, um daran teilzunehmen.

Nun hat Boyd Rayward die französische, vom Mundaneum herausgegebene Broschüre "Mundaneum: Archives de la connaissance", die gedruckt 2008 erschien, ins Englische übersetzt und zusätzlich bearbeitet und ergänzt. Diese Version steht unter dem Titel "Mundaneum: Archives of Knowledge" auch online zur Verfügung!

Zum Zusammenhang zwischen Informationsflut und historischem Bewusstsein

In einem Aufsatz in der FAZ vom 1. März 2010 mit dem Titel "Die Zukunft des Internet – Wie wir mit unserem Leben in Verbindung bleiben" (ob der kryptische Link wirklich von überall funktioniert, kann ich nicht sagen!?) beschreibt der Computerwissenschaftler David Gelernter seine Vision von der Zukunft des Internets.

Im 6. Punkt "Informationsflut" seines Beitrages beschreibt Gelernter zunächst keine neue Erkenntnis:

Bekanntlich führt das Internet zu einer ‚Informationsflut‘, die ein Problem mit zwei Aspekten ist: Einer zunehmenden Zahl von Quellen steht ein zunehmender Informationsfluss pro Quelle gegenüber.

Passend zu meinem vorigen Blog-Beitrag auch sein Hinweis: "Geht nicht auf die Internetschule!" (Punkt 18)

In seinem letzten Punkt "19. Die Verzerrung des Internet" stellt er die interessante Frage "Wenn dies das Informationszeitalter ist, was wissen dann unsere Kinder, das unsere Eltern nicht wussten?" Seine Antwort:

Sie wissen ums Jetzt.

Die Netzkultur ist eine Kultur der Jetzigkeit. Das Internet lässt uns wissen, was unsere Freunde und die Welt jetzt gerade treiben, […] Jetzigkeit ist eines der wichtigsten kulturellen Phänomene der Moderne […]

Und dies hat nach Gelernter Auswirkungen auf unser historisches Bewusstsein, genauer auf dessen drohenden Verlust:

Je mehr wir über das Jetzt lernen, desto weniger wissen wir über das Damals. […] Der Effekt der Jetzigkeit gleicht dem der Lichtverschmutzung in Großstädten, die es unmöglich macht, die Sterne zu sehen. Eine Flut von Informationen über die Gegenwart schließt die Vergangenheit aus.

Aufmerksam auf den Artikel von Gelernter wurde ich durch ein kurzes Zitat in der Druckausgabe der Hochschulzeitung „TU intern“ der TU Berlin (Ausgabe Mai 2010).

Kritisches zur Informationskompetenz anlässlich eines Tutorials bei LOTSE

Anlässlich eines Blog-Eintrages von Dörte Böhner zum neuen Tutorial von Lotse zum Thema Plagiate erläutert Lambert Heller in einem Kommentar seine kritische Sicht zu bibliothekarischen Aktivitäten im Bereich Informationskompetenz. Eine äusserst spannende Diskussion, die auch im Infobib Blog aufgegriffen wurde.

Auch bei Twitter gab es dazu einen vielleicht etwas stark zugespitzten Austausch zwischen Lambert Heller und Till Kinstler am 14. Mai 2010:

Lambo: Besonders ärgerlich an LOTSE ist jedoch die pädagogisierende Prämisse: „Halt‘ die Klappe und folge den Leuten, die sich auskennen.“

Tillk: @/Lambo Die Pädagogik ist schon über den Nürnberger Trichter hinaus, vor allem bei eLearning. Aber nicht-Pädagogen haben davon selten Ahnung.

Lambo: @/tillk Wenn mir jemand auf Augenhöhe sagt, was er entdeckt hat, warum er es wichtig findet etc, dann höre ich zu. Verzichte auf Belehrung.

(Quellen bei Twitter: 1, 2, 3)

Leider werden solche Diskussionen viel zu wenig geführt! Kommentar von Dörte Böhner zur Diskussion zu ihrem Blog-Beitrag:

Eine kritische Auseinandersetzung mit Angeboten zur Vermittlung von Informationskompetenz ist notwendig und lässt sich sicherlich einfacher auf einer verbalen Basis führen, aber sie sollte dennoch schriftlich fixiert werden. Ein ‚realer‘ Austausch sollte auf jeden Fall stattfinden.