Digitalisiertes zu Otlet und anderen Themen

Auch der Spiegel hat nun einen Beitrag zu Otlet gebracht und auch im Blog der TUHH-Bibliothek findet sich nun zufälligerweise etwas zum Thema! 😎

Direkter Link zum Spiegel-Beitrag!

Dabei bin ich noch auf ein Digitalisat gestoßen, worauf ich hier noch nicht hingewiesen habe, eine Sammlung von Aufs6auml;tzen von Otlet ins Englische übersetzt und kommentiert von W. Boyd Rayward:

Einige seiner Schriften umfasst der Sammelband: International organisation and dissemination of knowledge : seceted essays / Paul Otlet. Amsterdam: Elsevier, 1990.

Auf dem IDEALS Server der University of Illinois at Urbana-Champaign finden sich auch zwei interesssante Zeitschriftenhefte zur Geschichte bzw. zur Philosophie der Information:

Library Trends 52 (4) Spring 2004: Pioneers in Library and Information Science

Library Trends 52 (3) Winter 2004: The Philosophy of Information

Das Mundaneum in der New York Times

„The Web Time Forgot“ heisst ein Beitrag in der New York Times von Alex Wright über das Mundaneum in Mons, ein Museum, das gerade sein 10-jähriges Jubiläum in Mons feiert.

Ich hatte die Gelegenheit, dieses Museum, das die Reste des von Paul Otlet und Henry La Fontaine 1895 gegründeten Institut International de Bibliographie beherbergt, im Mai nach meiner Teilnahme an der Konferenz Analogous Spaces in Ghent in Belgien zu besuchen und dort einige Tage im Archiv zu arbeiten.

Die Folien der Vorträge der Ghenter Konferenz, die sich oft auch mit Otlet befassten, sind meistens online. Mein Poster hatte den Titel „Combinatorics and order as a foundation of creativity, information organization and art in the work of Wilhelm Ostwald“. Ostwald hatte Kontakt zu Otlet und ähnliche Ideen und Aktivitäten wie dieser entwickelt.

Neues zu Informationskompetenz und Lernen (das einen Ort benötigt!)…

… bot die Sektion „Best Practice bei der Vermittlung von Informationskompetenz für Studierende: Modelle und ihre Bewertung“ auf dem Bibliothekartag in Mannheim. Einige Folien der Vorträge sind schon online, weitere werden sicher noch folgen!

Obwohl ich nicht dabei war, ein paar Anmerkungen:

Die Vorträge und Themen geben wieder einen guten Überblick zu Aktivitäten zur Informationskompetenz in Deutschland: Neben den bisher schon innerhalb des Bundeslandes organisierten Bibliotheken aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg (natürlich ist z.B. ein Beitrag aus Konstanz von Oliver Kohl-Frey dabei!) ist diesmal auch der Norden mit Hamburg und Niedersachsen bei den Vortragenden vertreten. Themen der Vorträge waren – neben Zielgruppenorientierung, Strategie und Realität von Informationskompetenz-Aktivitäten – die Vorstellung eines Visualisierung, Emotionen und Dramaturgie nutzenden Tutorials der Universitätsbibliothek der TUHH zum wissenschaftlichen Arbeiten (VISION) und die international schon länger intensiv diskutierte Bewertung von IK-Aktivitäten (UB Mannheim).

Auf den wunderschönen Vortrag von Suzanne Rockenbach zu den Essentials jeder IK-Förderung, nämlich die Entwicklung von Neugier und Zweifel, ist hier schon mal hingewiesen worden. Wer den Vortrag noch nicht gesehen (ich leider auch bisher nicht!) sowie den Text und die Folien bisher noch nicht sich angeschaut hat, versäumt den Kern unseres Tuns!

Besonders erwähnenswert ist noch der Beitrag Oliver Schoenbeck (IBIT Oldenburg) mit dem Titel „Leitidee Informationskompetenz: Vorschläge aus der Arbeit der DINI-AG ‚E-Kompetenzen'“, der die Entwicklung von Informationskompetenz als Leitlinie jeglichen Bibliotheks-Services sieht: Eine optimale Website, die Integration der Bibliothek ins eLearning, ein flexibel reagierender Auskunfts-Service – all dies trägt zur Entwicklung der Informationskompetenz von Kunden bei und macht die Bibliothek zum Lernort:

Nicht zufällig hat Oliver Schoenbeck auch einen Aufsatz zu einem wohl bald herauskommenden Themenheft „Lernorte“ der Zeitschrift „Bibliothek: Forschung und Praxis“ mit dem Titel „Platz schaffen für neue Bedürfnisse – ein neuer Lernort auf alten Flächen“ beigesteuert. Der grundlegende Aufsatz zum Thema Lernort stammt von Christine Gläser und trägt den Titel „Die Bibliothek als Lernort – neue Servicekonzepte“. Auch dies ist Teil von Informationskompetenz! Beide Aufsätze sind als Preprint verfügbar.

Persönliches Wissensmanagement von Ingenieuren/innen: Aufstieg und Niedergang des Notizbuchs

Hinweis auf einen Aufsatz von Hans-Liudger Dienel mit dem Titel Persönliches Wissensmanagement von Ingenieuren/innen: Aufstieg und Niedergang des Notizbuchs im Portal für Persönliches Wissensmanagement von Gabi Reinmann.

Der Beitrag konzentriert sich am Beispiel der Berufsgruppe von Ingenieuren/innen auf das persönliche Wissensmanagement des Einzelnen, und untersucht, wie Ingenieure in den vergangenen 150 Jahren den täglichen Informationsansturm bewältigt und ihren persönlichen Wissensraum strukturiert haben. Vergleichend blickt der Verfasser auf Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften. Im Vordergrund der Analyse steht ein bisher für das Wissensmanagement wenig genutztes Instrument bzw. eine historische Quelle, die persönlichen Notizbücher von Ingenieuren bis hin zu seiner heutigen elektronischen Form.

Direkter Link zum Aufsatz aus dem Grenzbereich zwischen Wissenschafts-, Medien, Informations- und Bildungsgeschichte mit Bezügen zu aktuellen Themen wie persönlichenn Lernumgebungen. Der Beitrag endet mit der schönen Vision:

Mir schwebt mir eine Wissenschafts- und Technikgeschichte vor, die

  • auf die Verfertigung von Wissen bei Ingenieuren und Naturwissenschaftlern eingeht,
  • die interdisziplinäre Anregungen aufgreift und gibt und die
  • sich an der Weiterentwicklung der Wissensgesellschaft beteiligt indem sie Kulturtechniken zur Strukturierung des Wissens untersucht.

Philosophy of information

Semantic Conceptions of Information heisst ein Beitrag von Luciano Floridi in der online frei zugänglichen Stanford Encyclopedia of Philosophy.

Auch Deutschland hat schon seit langem einen „wirklichen“ 😎 Informationsphilosophen, der allerdings eher wenig im deutschen Bibliotheks- und Informationswesen bekannt ist: Rafael Capurro.

Ich selbst lese gerade mit Lust und Gewinn die Bücher des Briten Luke Tredinnick mit den Titeln „Digital Information Contexts: Theoretical Approaches to Understanding Digital Information“ (2006, Review) und „Digital Information Culture: The Individual and Society in the Digital Age“ (2008, Review). Es ist darin faszinierend zu sehen, wie moderne Felder der Philosophie – wie z.B. Poststrukturalismus und Postmodernismus – das Verstehen von Phänomenen im Informationswesen, besonders auch im Hinblick auf das Web 2.0, erleichtern und verändern! Die Probleme des modernen Informationswesen, die sich ändernde Rolle des Autors, die Themen Authentizität, Identität, Privatsphäre, Sprache und Information usw., werden in beiden Büchern auf prinzipieller Ebene diskutiert.