Open Access und OER

Im Rahmen eines HOOU Workshop zu "Open Access" auf der Campus Innovation 2017 (Donnerstag, 23.11.2017) ging es um Fragen nach Schnittstellen und möglichen Synergien zwischen Open Educational Resources (OER) und Open Access. Dies ist ein kurzer Bericht zum Impuls-Vortrag mit dem Titel "Open Access. Bibliothek in Zukunft?! – und was dies mit Open Educational Resources (OER) zu tun hat" und von der daran anknüpfenden Diskussion.

Die Impulspräsentation begann mit einer Sicht auf "Offenheit in Forschung und Lehre", die aufgrund der ständig zunehmenden Digitalisierung und deren Einfluss auf die Hochschulbildung und das wissenschaftliche Publizieren sich in den Schlagwörtern „Open Science“ und „Open Education“ manifestiert. In Hamburg illustrieren die laufenden Projekte „Hamburg Open Science“ (HOS) (Bürgerschaft Hamburg Drucksache 21/10485 vom 26.09.2017) und „Hamburg Open Online University“ (HOOU) (Drucksache 21/10426 vom 19.09.2017) diese Schlagwörter.

Das in der Ankündigung zur Impulspräsentation zu findende "Bibliothek in Zukunft?!" umfasst die Frage der Verortung von Bibliotheken in diesen Open-Szenarien. Die Universitätsbibliothek der TUHH, die tub., versucht in beiden Szenarien aktiv ihre Kompetenz z.B. bzgl. Repositorien, Schnittstellen, eindeutigen Identifikatoren und Metadaten im Bereich Informations-Infrastrukturen einzubringen, vgl. etwa https://openscience.tuhh.de.

Die tub. führte ein Early Bird Projekt im Rahmen der HOOU mit dem Titel "Wie funktioniert eigentlich Forschung?" durch. Als OER zum Wissenschaftlichen Arbeiten entstand unter anderen Ressourcen ein Weblog, das ein Bachelor-Seminar an der TUHH begleitet.

Im Jahre 2018 arbeitet die tub. an einem HOOU-Projekt „Wissenschaftliches Arbeiten öffnen“ mit den Zielen einer Neukonzeption eines Bachelor-Seminars sowie der Erstellung von weiteren OER zum Thema. Praktische Rezepte zum wissenschaftliche Arbeiten, Reflexion über das Funktionieren von Wissenschaft sowie Offenheit als Tugend machen Wissenschaft leichter zugänglich – für Studierende, aber auch für alle, die in Alltag (oder etwa in der Politik) wissenschaftlich begründete Entscheidungen treffen müssen. Eine globale Welt, die an Nachhaltigkeit orientiert ist, ist immer mehr auf Offenheit angewiesen.

Kurz habe ich im Impulsvortrag auf ein OER als Lernprodukt aus dem Seminar "Wissenschaftliches Arbeiten" hingewiesen, eine Open Access Publikation mit Texten von Ingenieur-Studierenden zur Zukunft von Bibliotheken:

Bibliothek in Zukunft?! Texte von Studierenden zum Wandel von Bibliotheken. Aus dem Bachelor-Seminar "Wissenschaftliches Arbeiten" an der TU Hamburg / hrsg. von Thomas Hapke. Hamburg: TUHH Universitätsbibliothek, 2017,

das ähnlich wie die im Workshop vorgestellten "Lernprodukte" aus dem HOOU-Projekt RUVIVAL über das von der tub. betriebene Open Access Repository tub.dok der TUHH verfügbar ist und das zudem einen inhaltlichen Rückgriff auf den oben genannten Teil des Titels des Impuls-Vortrages gestattete.

Die Impulspräsentation, schwerpunktmäß zum Thema Open Access – siehe auch das Thema auf der Website der tub. Hamburg – sollte im Workshop einer Diskussion vorbereiten, wo es um folgende Fragen geht:

  • Wie passen OER und Open Access zusammen?
  • Wie können OER die für Open Access vorhandene Informations-Infrastruktur nutzen?
  • Wie und was kann die OER-Bewegung von der Open Access Bewegung lernen? Und umgekehrt?
  • Unterscheiden sich, und wenn ja wie, OER von via Open Access publizierten Dokumenten?

Einige Stichpunkte aus der Diskussion:

  • Qualität ist sowohl bei OA als auch OER ein Thema. Peer Review ist auch als offenes Peer Review möglich.
  • Wichtiger Aspekt von Offenheit beim Forschen und Lehren: Einfluss der Persönlichkeit!? (Vgl. ZBW MediaBlog: Wie beeinflusst die Persönlichkeit das Teilen von Forschungsdaten?)
  • Gibt es hochschuleigenes Wissen? Auch ein generelles juristisches Problem, vgl. die Auseinandersetzungen zur Veröffentlichungspflicht via Open Access in Konstanz. Offenheit auch abhängig von Fachgebieten und anderen Kontexten (etwa Industrieforschung), wo Patente und wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen.
  • Rechtliche Fragestellungen gewinnen immer mehr an Bedeutung beim Publizieren. Und welche Äußerung im Netz ist heute keine Publikation?
  • Bibliotheken sind immer mehr auch als Verlage anzusehen, die in ihren Open Access Repositorien Werke aus ihren Heimat-Institutionen veröffentlichen. Beim grünen Weg von Open Access wäre dies dann eine Zweitveröffentlichung. Bei der Qualität der Veröffentlichungen in den Repositorien der Bibliotheken bauen Bibliotheken sicher zur Zeit noch eher darauf, dass die Angebote aus der jeweiligen Heimatinstitution diese Qualität von sich aus auch mitbringen, ohne dass sie sich eigene Services zur Kontrolle inhaltlichen Qualität von Publikationen leisten können.
  • Bibliotheken nerven ja oft mit Fragen nach der Datenqualität, sie sehen hier aber auch ihre fast wichtigste Rolle:
    In einer idealen Welt der digitalen Dokumente (Publikationen, Forschungsdaten, OER usw.) sind die unterschiedlichen "Dokumente", Objekte, Dateien usw. (je nach gewünschter Granularität!) jeweils mit unterschiedlichsten, beschreibenden Metadaten versehen. Sowohl die einzelnen Objekte sind über eindeutige Identifikatoren (etwas DOI oder andere Handles) direkt zu nutzen, als auch die einzelnen beschreibenden Metadaten-Elemente sind über einen Uniform Resource Identifier (URI), siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Uniform_Resource_Identifier, direkt und einzeln zu nutzen, etwa ist für jeden Autor seine ORCID, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/ORCID, angegeben, so dass direkt auch nach weiteren Objekten des spezifischen Autors gesucht werden kann. Vgl. zu Metadaten von OER auch meinen Text: „How we bec[o]me metadata“ – Beschreiben, Finden, Weitergeben und Verändern von Open Educational Resources. Synergie : Fachmagazin für Digitalisierung in der Lehre. #04 2017. S. 58-61
  • Hinsichtlich der Unterschiede zwischen OER und via Open Access publizierten Dokumenten ist sicher die bei OER intendierte Weiterverarbeitung der Objekte als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu nennen. Eine funktionierende Versionenkontrolle ist hier sicher noch wichtiger als bei herkömmlich Open Access publizierten Objekten. Nannte man im Print-Bereich eine neue Version noch "Auflage" ist bei OER die Frage zu stellen, was eine neue Version genau ist, etwa eine bestimmte Zeitscheibe einer sich ständig weiter entwickelnden bzw. verändernden OER. Bzw. wann eine Version keine Version eines Werkes mehr ist, sondern schlicht ein neues Werk. Viel Stoff zur Reflektion für Philosophierende, aber auch für juristisch Interessierte. 😎

Gedanken und Fragen zum Rahmenvertrag § 52a

Hier mal ein paar Punkte und Gedanken bzw. Fragen beim und nach dem Lesen des Rahmenvertrages zur Vergütung von Ansprüchen nach § 52a UrhG
(Hochschulen)
zwischen der Kultusministerkonferenz (KMK), dem Bund und der VG WORT.

§ 4 Beitritt: Die Hochschule muss ausdrücklich beitreten. Extra-Erklärung notwendig.

Bedeutet § 3 „Begriffsbestimmungen/Voraussetzungen“ (6), dass Werke, die „vom jeweiligen Rechteinhaber in digitaler Form für die Nutzung im Netz der jeweiligen Einrichtung zu angemessenen Bedingungen angeboten“ werden, gar nicht in Lernmanagementsysteme (LMS) hochgeladen werden dürfen und dass deshalb keine Meldung an die VG Wort erfolgen muss (gemäß § 5 (3)). Oder anders ausgedrückt: Zwingt § 3 (6) zum Verlinken dieser Werke!?

Manche Verlage erlauben je nach Verhandlung der jeweiligen Hochschule das Hochladen in LMS, da muss dann auch nicht gezahlt werden. Aber PDFs von anderen Verlagen darf ich also nicht hochladen? Andersherum gesagt: Nur wenn extra vom Lehrenden etwas digitalisiert wird bzw. das betreffende PDF nicht im Intranet der jewieligen Hochschule verfügbar ist, sind Gebühren fällig?

§ 5 (1) Die Hochschule hat die Wahl, ob sie „das Meldeportal in das/die Lermanagementsystem/e der Hochschule“ implementiert „oder ob die Erfassung und Meldung manuell direkt über das Meldeportal vorgenommen wird“. Gibt es dieses Portal bei der VG Wort schon? Wo gibt es Implementierungslösungen? Es soll ja ein abgespecktes Plugin für Stud.IP vom Osnabrücker Projekt geben!?

§ 5 (2) Meldung spätestens zum Semesterende möglich.

§ 6 (2) Ist das Wintersemester 2016/17 schon Teil des Vertrages?

Die wichtigsten Fragen zum Schluss:

Wo kommt das Geld in den Hochschulen her? Bisher haben die Länder die Pauschalen beim § 52a bezahlt.
Bekommen die Hochschulen vom jeweiligen Land zusätzliche Gelder?
Falls nicht, sollte aus meiner Sicht das Geld aus Mitteln für die Lehre (HSP) bezahlt werden, aber ohne dass Bibliotheksmittel betroffen sind. Das wird noch ein munteres Verhandeln?

Werden Hochschulen evtl. dazu übergehen, den Lehrenden das Einstellen vergütungspflichtiger Werke zu verbieten? Um zum Beispiel zu verhindern, dass Geld unkontrolliert abfliesst. Verträgt sich dies mit dem Grundsatz der Freiheit von Forschung und Lehre?

Was kostet das alles? Hier das schöne Rechenbeispiel zur Illustration von Philipp Zumstein: „0,008 pro Seite _und_ pro Unterrichtsteilnehmer zzgl. MwSt. Beispiel 30 Seiten für 200 TN –> 51,36 €“

Der Aufwand für Lehrende steigt auf jeden Fall durch den Rahmenvertrag. Wird man deshalb auf das Hochladen verzichten und wieder verstärkt Papierkopien verteilen? <sarkasmus>Oder soll nur noch Lehre gemacht werden mit Werken vor Erscheinungsjahr 1920! (§ 7 Ausnahmen) </sarkasmus>.

Positiv gesehen, ist der Rahmenvertrag implizit auch ein Plädoyer für mehr Open Access bzw. Creative-Commons-Lizenzen oder OER. Werke mit Nutzungsmöglichkeiten im Rahmen von "Open Access"-Lizenzen sind nicht Teil des Vertrages (§ 7). Heisst das, dass eine Open-Access-Dokument ohne CC-Lizenz unter den Vertrag fällt, mit CC-Lizenz bei entsprechender Verwendung aber nicht!?

So viel Fragen, so wenig Antworten. [Ein paar Antworten in von mir gesammelten Links in den Kommentaren.]

Menschliche und nicht-menschliche Akteure im Bildungs- und Informationsbereich

Das im letzten Beitrag schon erwähnte Lehrbuch für Lehren und Lernen mit Technologien (#L3T) enthält einen spannenden Beitrag von Andrea Belliger, David J. Krieger, Erich Herber und Stephan Waba zur "Die Akteur-Netzwerk-Theorie [ANT]- Eine Techniktheorie für das Lernen und Lehren mit Technologien".

Diese vom französischen Soziologen und Philosophen Bruno Latour mit entwickelte Theorie bzw. Methode weist auch nicht-humanen Akteuren wie Medien, Maschinen usw. eine wichtige Rolle bei der Kommunikation im Bereich Technik und Gesellschaft zu. Diese Theorie scheint damit auch für den Bildungsbereich nutzbar zu sein.

Wenn Menschen, Technologien aber auch Artefakte aus dem Bildungsumfeld als handlungstragende Akteure im technologiebasierten Unterricht verstanden und in ihrem Zusammenspiel betrachtet werden, gelingt es uns, die Realitäten des Unterrichts- und Lernverhaltens zu verstehen und in didaktischen Einsatzszenarien zu berücksichtigen. Modellhafte Akteur-Netzwerke könnten dazu beitragen, ein besseres Verständnis für die sozialen Wirklichkeiten des Zusammenspiels von Akteur-Netzwerken in der Bildungspraxis zu erzielen.

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eLearning und ePortfolios – auch ein Thema für Bibliotheken

An der TU Hamburg-Harburg lief von Mitte 2008 bis Ende 2010 das eLearning-Projekt studIPort 2.0, an dem auch die TUHH-Bibliothek beteiligt war.

Ziel des Projektes war einerseits die Verbesserung und nachhaltige Stärkung des eLearning-Angebots der TUHH insbesondere durch ein eLearning-Kompetenzzentrum.

Als zweites wurde ein Werkzeug entwickelt, um die Reflexion von Lernenden durch ePortfolios zu verbessern. ePortfolios sind kommentierte, digitale Sammlungen von Produkten des Lernens. Ziel ist einerseits (nach "innen" gerichtet) die Dokumentation und Reflexion von individuellen Lernprozessen, andererseits (nach "außen" gerichtet) als Bewerbungs-Portfolio auch das Marketing der eigenen Person.

ePortfolio-bezogene konkrete Ergebnisse des Projektes sind:

Ich selbst war an dem Projekt besonders am Anfang bei Ideenfindung, Antragsformulierung sowie an der Erstellung des eLearning-Entwicklungsplans der TUHH, der eine der Voraussetzungen für die Antrag-Erstellung war, konkret beteiligt; später vor allem in Form kritischer Begleitung (z.B. u.a. durch einen Literaturüberblick zu Aspekten wissenschaftlichen Arbeitens von Ingenieuren, das Ausprobieren von Web 2.0- und anderen Alternativen für ein Lerntagebuch und die Entwicklung von Szenarien der ePortfolio-Anwendung). Wenn man so will, dokumentiert dieser Eintrag meine Beteiligung an dem Projekt studIPort 2.0 in meinem eigenen ePortfolio, nämlich in diesem Blog! 😎

Dass Informationskompetenz und ePortfolios durchaus zusammenzubringen sind, zeigt nicht zuletzt das Führen begleitender Recherche-Portfolios, die als Mittel der formativen Evaluation von Informationskompetenz-Aktivitäten genutzt werden können.

Warum nutze ich Web 2.0 Tools?

In einem Gespräch an der TUHH kam wieder einmal die Frage auf, warum und aus welchen Beweggründen so viele das Web 2.0 nutzen? Es ist anscheinend immer noch nicht für jeden vorstellbar, Web 2.0 Dienste zu nutzen. Sicher nutzen viele das Web 2.0 auch, ohne dass ihnen dies bewusst ist. Dies gilt z.B. vielelicht für Wikipedia. Und sicher müsste man zunächst klären, was genau nun das Web 2.0 ist und was Nutzung genau meint.

Aus meiner persönlichen Sicht möchte ich dies einfach mal für mich aus praktischem Erleben heraus zusammenfassen und in meinen Blog stellen. Ich möchte dazu meine Gedanken auf verschiedenen Ebenen bzw. aus unterschiedlichen Sichten darlegen. Die Frage, die jetzt sofort auftaucht, warum mache ich diese nun in meinem Blog und schicke meine Gedanken nicht nur an die Teilnehmenden der erwähnten Gesprächsrunde? Ein Grund dafür ist sicher, dass diese vielleicht auch für andere interessant sind (hoffe ich zumindestens! 😎 )!

Warum nutze ich Web 2.0 Tools …

  • aus der Sicht der persönlichen Informations- und Ideengewinnung?
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Elektronische Karteikartensysteme

Vor einiger Zeit bekam ich über das Auskunftssystem "Fragen Sie Hamburger Bibliotheken" sinngemäß folgenden Anfrage:
„Ich möchte mich zum Thema elektronisches Karteikartensystem informieren und sehe mich überfordert, etwas derartiges zu finden. Was können Sie mir zu diesem Thema sagen?“

Es hat mir Spaß gemacht, diese Anfrage wie folgt zu beantworten: 😎

„So ganz verstehe ich nicht, was Sie genau wollen? Es folgen ein paar Assoziationen, die Ihre Anfrage bei mir hervorgerufen hat.

Früher wurden die Kataloge von Bibliotheken als Zettelkartei geführt. Mittlerweile sind diese alle als elektronische Datenbank online zugänglich, so dass man z.B. den Katalog des Bibliotheksbestandes der TUHH-Bibliothek als ‚elektronisches Karteikartensystem‘ bezeichnen könnte.

In unserem Katalog finden Sie übrigens das folgende Buch zur Geschichte des Zettelkastens:
Zettelwirtschaft : die Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek / Markus Krajewski. Berlin : Kulturverl. Kadmos, 2002. (Vgl. auch meine Rezension des Buches in der Zeitschrift Bibliothek. Forschung & Praxis (Jg. 26, Nr. 3, 2002, S. 317-318).

Auf der Website des Autors finden Sie einen elektronischen Zettelkasten, also Software zur Verwaltung von Daten, häufig Literaturangaben. Eigentlich ist jedes Datenbanksystem ein ‚elektronisches Karteikartensystem‘.

Vergleichen Sie bitte zur Nutzung von Karteikarten zum Lernen und zur Literaturverwaltung auch folgenden Aufsatz von Markus Krajewski: Elektronische Literaturverwaltungen. Kleiner Katalog von Merkmalen und Möglichkeiten, in: Norbert Franck und Joachim Stary (Hrsg.), Technik wissenschaftlichen Arbeitens (= UTB), 11., vollständig überarbeitete Neuauflage, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn, 2003, S. 97-115 (geringfügige Überarbeitung des Texts für die 12. Auflage, November 2005).

Auch die TUHH-Bibliothek bietet ihren Kunden eine Literaturverwaltungsystem in Form der Software Citavi, die auch in einer freien, nur leicht eingeschraenkten Version downloadbar ist. Auch ein elektronisches Karteikartensystem!“

😎

E-Portfolios und Informationskompetenz

Das Thema der Kölner Masterarbeit von Sabine Schmall mit dem Titel "E-Portfolios als Element von Personal Learning Environments. Potentiale des E-Learning 2.0 im Kontext der Vermittlung von Informationskompetenz" passt zum Projekt StudIPort 2.0 an der TUHH, zu dem es jetzt auch einen Weblog gibt, in dem aktuell über den ePortfolio-Tag im Rahmen der Konferenz Campus Innovation im November 2009 berichtet wird.

Zum Zusammenhang zwischen Medien- und Informationskompetenz aus der Sicht des eLearning

Interessante diesbezügliche Diskussionen der eLearning-Community habe ich ausgehend von einem Beitrag in Gabi Reinmanns Blog gefunden. Ein von ihr erwähnter Bolg-Eintrag von Michael Kerres mit dem Titel "Informationskompetenz: Wer machts?", der auch auf die hier schon erwähnte Düsseldorfer Studie hinweist, schliesst mit dem Absatz:

„Informationskompetenz“ ist im Rahmen der Diskussion über den künftigen Auftrag von Bibliotheken entstanden. Haben diese sich lange Zeit als Archive des Wissens verstanden, verweist der Begriff „Informationskompetenz“ auf die nunmehr zusehends wichtiger werdende Aufgabe, den „Umgang“ mit Wissen in Medien aktiv zu unterstützen. Die Diskussion zeigt damit auf die Frage, wie sich das Verhältniss von Lehre im Fachbereich (in der Wissenserschliessung) und anderen Maßnahmen der Kompetenzentwicklung, etwa der Bibliotheken, künftig austariert. Kann diese Aufgabe (weiterhin) im Rahmen fachbezogener Lehre (also im Umgang mit medial vermitteltem Wissen im Fachstudium) mit- gelernt werden? Und welche Rolle spielen – angesichts zunehmend komplexer werdenden Anforderungen im Umgang mit digitalen Wissensmedien – weitere „Akteure“ der Kompetenzentwicklung (etwa in Hochschulen: Bibliotheken … )?

Mein Kommentar: Bibliotheken können und sollten daran mitwirken, Kompetenzen an (Hoch-) Schulen zu entwickeln, sie müssen aber aufpassen, dass ihre Aktivitäten nicht nur als Begründung für ihre eigene Legitimation missverstanden werden.

Im Rahmen der diesjährigen GMW-Tagung wurde auch der Begriff des eLearning diskutiert. Ein Beitrag im frei verfügbaren Tagungsband mit dem Titel „E-Learning 2009 Lernen im digitalen Zeitalter“ enthält dazu einen inspirierenden Beitrag von Gudrun Bachmann, Antonia Bertschinger, Jan Miluška aus Basel mit dem Titel "E-Learning ade – tut Scheiden weh?" (S. 118ff), die das eLearning „abschaffen“ wollen (vgl. auch die Diskussion bei Gabi Reinmann). Genauso wie im Bibliothekswesen jahrelang vom OPAC oder Online-Katalog gesprochen wurde und heutzutage eigentlich jeder Katalog online ist und daher auch die Bezeichnung Katalog ausreicht, wird heutzutage das Elektronische beim Lernen (und im Alltag) immer selbstverständlicher. Daher ist es unnötig, den Terminus eLearning noch zu verwenden. Zudem gehört und gehörte zum Lernen immer mehr als das Elektronische, ja auch Informations- und Medienkompetenz gehören natürlich dazu. 😎

Der Tagungsband ist auch aus der Sicht von Informationskompetenz, wie auch der vom letzten Jahr, sehr interessant. So findet sich sich in dem Baseler Beitrag auf S. 126 unter der Überschrift folgender Absatz:

Neben vielen Ideen für elektronische Lehrangebote und neuen Entwicklungsprojekten entstehen aufgrund der erweiterten Auslegeordnung auch neue inner universitäre Partnerschaften und strategische Projekte. So bieten wir bei spielsweise zusammen mit der Universitätsbibliothek neu den Kurs „Informationsbeschaffung online – mehr als Wikipedia! Recherche in Bibliothekskatalogen,
Fachdatenbanken und Internet“ an. Und dieses Thema hat es inzwischen bis in das höchste Gremium der Lehre der Universität Basel geschafft: die Kommission Lehre, die sich aus den Studiendekaninnen und -dekanen aller Fakultäten zusammensetzt und von der Vizerektorin Lehre präsidiert wird. Dort wurde das Thema Informationskompetenz mit Hilfe Neuer Medien als zu fördernde Kompetenz identifiziert. Ziel ist es, dafür Lehrangebote zu entwickeln und curricular zu integrieren. Erste Fakultäten haben damit bereits begonnen.

Einschlägig zum Thema Informationskompetenz auch der Beitrag von Nina Heinze und Jan-Mathis Schnurr: „Integration einer lernförderlichen Infrastruktur zur Schaffung neuer Lernkulturen im Hochschulstudium“ (ab S. 152).

Nachdenken über Lernen, Information und Kompetenzen

Hier drei weitere, sehr unterschiedliche Papiere, die beim Nachdenken über Lernen, Information und Kompetenzen weiterhelfen können.

BTW: Die Erfurter Vorträge zur Informationskompetenz im weitesten Sinne sind schon lange online.

E-Learning und Hochschulbibliotheken

Die Master-Arbeit mit dem Titel „E-Learning und Hochschulbibliotheken“ von Andreas Heinemann, erstellt im Rahmen des Studienganges Master of Library and Information Science an der Fachhochschule Köln, bietet einen schönen Überblick zum Thema.

Aus dem Abstrakt:

Knapp die Hälfte der deutschen Universitätsbibliotheken ist in irgendeiner Form in die universitäre E-Learning-Struktur eingebunden. Die verschiedenen Modelle dafür reichen von der Übernahme des vollen Services über eine strategische Partnerschaft bis hin zu lockeren Kooperationsformen. Insgesamt kann die Bibliothek ihr breites Dienstleistungsportfolio nutzen, um ihre Services in eine E- Learning-Umgebung einzubringen. Diese umfassen die Bereitstellung digitaler Dokumente in elektronischen Semesterapparaten oder Lernmanagementsystemen, die Etablierung der Bibliothek als reellem und virtuellem Lernort, Hilfestellung bei Fragen des Urheberrechts, die Erschließung multimedialer Lernobjekte mit Metadaten und ihre längerfristige Zugänglichmachung sowie die Vermittlung von Informationskompetenz mittels E-Learning-Szenarien wie Blended Learning oder Online-Tutorials.

ePortfolios, Informationskompetenz und das Web 2.0

Auf den Zusammenhang zwischen ePortfolios und Informationskompetenz hatte ich ja schon mal an anderer Stelle hingewiesen. Das folgende Zitat zu E-Portfolios von EIfEL (European Institute for eLearning) verdeutlicht dies nochmal:

„In the context of a knowledge society, where being information literate is critical, the portfolio can provide an opportunity to demonstrate one’s ability to collect, organise, interpret and reflect on documents and sources of information.“

Im Rahmen des durch Hamburger Sondermittel geförderten Projektes der TU Hamburg-Harburg mit dem Namen „StudIPort 2.0“, an dem auch die TUHH-Bibliothek beteiligt ist, soll u.a. die bestehende Lernumgebung Stud.IP um ePortfolios erweitert werden. ePortfolios sind so etwas wie ‚digitale Sammelmappen‘ für Ergebnisse des eigenen Lernens und können zugleich als aussagekräftige Bewerbungsmappe während der Jobsuche dienen. ePortfolios dienen der Reflexion über das eigene Lernen, z.B. auch im Rahmen eines Lerntagebuches (oft auch Studientagebuch oder Lernjournal genannt).

Da ja dieses Weblog so etwas wie mein eigenes Lerntagebuch darstellt, können Lerntagebücher sicher auch über Weblogs realisiert werden. Mit Komponenten des Web 2.0 sind solche Lerntagebücher sehr einfach zu realisieren. Ich habe mal auf WordPress.com ein Weblog als Prototyp für ein Lerntagebuch aufgebaut, das ja auch ein Teil eines ePortfolios sein kann. Die Struktur der Blog-Kategorien, die einzelne Kompetenz- und Erfahrungsbereiche des Lernens darstellen, kann zusammen mit den bisherigen Inhalten durch einfache Nutzung der Export/Import-Funktion von WordPress in eine eigenes Weblog zu übertragen. Daher auch der Name portabel4tuhh für diesen Prototyp.

Dazu kommt als zweites die Idee, alternativ statt eines Blogs das Modul Wissensorganisation des Literaturverwaltungsprogramms Citavi, das an der TUHH, aber auch allgemein in einer kostenfreien, leicht eingeschränkten Version zur Verfügung steht, als Lerntagebuch zu nutzen. Auch hierfür werden Dateien zum Download angeboten.

Damit stellt portable4tuhh insgesamt gleichzeitig eine Motivation und Anleitung dar, sich selbst einen Blog anzulegen bzw. das Literaturverwaltungsprogramm Citavi zu nutzen! Auch mit Netvibes ist die Realisierung einer einfachen Low-Cost-Lösung für ePortfolios möglich.

Sicher ist die Nutzung eines Lerntagebuches im Umfeld von Natur- und Ingenieurwissenschaften kaum zu erwarten und das Ganze ist noch nicht wirklich ausgegoren, kann aber vielleicht als Anregung auch für andere Interessenten an ePortfolios dienen!

Noch mehr Online-Tutorials zu Informationskompetenz

Die Universitätsbibliothek Konstanz bietet freien Zugang zu E-Learning-Tutorials zur Informationskompetenz über die Lernplattform ILIAS. Für mich neu war nun eine englischsprachige Version des ja schon bekannten deutschen Tutorials für Anfänger: „Information Literacy English free access version for beginners“. Auch eine Version für Fortgeschrittene ist im Angebot: „KOPILOT : English tutorial for advanced and doctoral students, PostDocs…“

Letzteres nutzt anscheinend Inhalte des Tutorials des auf der Konferenz KWIL 2007 von Debbi Boden vorgestellten Tutorials PILOT des Imperial College London, das unter Blackboard (früher: WebCT) angeboten wird. Wer reinschauen will, findet die Login-Daten in der Präsentation von Debbi Boden auf der KWIL.

Wie gesagt, ob Studierende, gar Fortgeschrittene, solche Tutorials wirklich nutzen, ist für mich nach den bisherigen Erfahrungen mit DISCUS fraglich.

Learning and information literacy tutorials

Im Frühjahr 2008 fand an der Aalborg University Library eine internationale Konferenz mit dem Titel „Learning, Innovation and the Use of Information“ statt, auf der ich gerne dabeigewesen wäre. Die Präsentationen dieser Konferenz und die begleitenden Papiere sind ein genaueres Studium wert.

In einem der letzteren befindet sich folgende Beschreibung von Informationskompetenz:

We perceive information literacy as the ability to evaluate, select and/or act in a situation where you need to find or use that which makes a difference in solving an information problem. Information literacy is the individual’s ability to move between levels of action and reflection (meta-level) in the understanding and handling of his/her information need, and the ability to use the result in the process that lies ahead. What one person considers being information may not necessarily be information in the eyes of somebody else i.e. information is interpreted data. Whatever meaning is being created eventually depends on the individual’s construction of knowledge.

Basierend u.a. auf den Forschungen von Carol C. Kuhlthau und Jannica Heinstroem wurde in Aalborg ein Tutorial entwickelt, das den Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens und Lernens mit narrativen Hilfsmitteln bewusst macht [Zugefügt 16.2.2009: Link zum Tutorial SWIM]. Nutzende des Tutorials müssen im Rahmen einer Handlung Entscheidungen treffen, die dann das weitere Geschehen beeinflussen. Sie sind also Teilnehmende des „Films“. Damit ähnelt der Ansatz dem Konzept des Lerntheaters, das mein Kollege Detlev Bieler im Modul Publizieren des Tutorials VISION (VIrtual Services for Information ONline) der TUHH-Bibliothek verwirklicht hat.

Problem all dieser Angebote ist für mich, dass Studierende sich dafür explizit Zeit nehmen müssen und solche Angebote damit nur diejenigen nutzen, die eh schon sensibel für das Thema Informationskompetenz sind. Eine Integration dieser Tutorials in normale Pflicht-Lehrveranstaltungen könnte hier vielleicht helfen, aber nur dann, wenn dies dort Teil einer wirklichen Projekt-Aufgabe ist.

Zu einem weiteren Tutorial ist gerade in der Online-Zeitschrift „Issues in Science and Technology Librarianship“ (Fall 2008) ein Aufsatz mit dem Titel „An Undergraduate Science Information Literacy Tutorial in a Web 2.0 World“ veröffentlicht worden. Das Tutorial selbst ist inhaltlich sehr interessant für eine technische Universität. Es besteht allerdings „nur“ aus leicht animierten Texten.

60. Jahrestagung der DGI – Jubiläumsheft

Das Heft 6-7 des Jahrgang 59 (2008) der Zeitschrift „Information – Wissenschaft und Praxis“ enthält anläßlich der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis u.a. interessante Beiträge zur Geschichte des deutschen Informationswesens und zum Thema Informationskompetenz:

  • Ein Editorial von Rainer Kuhlen: Auch über die Sechzig hinaus müssen Wissen und Information verfügbar bleiben.
  • Grussworte von ehemaligen Präsidenten der DGD/DGI: Peter Canisius, Arnoud de Kemp und Joachim-Felix Leonhard.
  • Ein Rückblick auf terminologische Arbeit im Dokumentationswesen von Axel Emert mit dem Titel: Begriffsordnung und Terminologie – Seit jeher unverzichtbar für die Dokumentation? (A-)KTS: Ein DGI-Komitee: Tradition, Zukunft, Aufgaben
  • Feiern wir wirklich den 60. Geburtstag der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation? fragt Eberhardt Gering
  • Den Abdruck des Manuskripts einer Vorlesung des von 1951 bis 1955 Ersten Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation (DGD), Prof. Dr. Hans Wilhelm Eppelsheimer (1890-1972), unter dem Titel „Vorlesungen zum Thema Bibliothekswesen und Dokumentation“ – Förderung von Informationskompetenz damals!
  • Eine Denkschrift der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI e.V.) zur Förderung der Informationskompetenz im Bildungssektor von Luzian Weisel und Alexander Botte – Förderung von Informationskompetenz heute!

Noch eine Anmerkung zum Beitrag von Eberhardt Gering, der die Frage zum 60-jährigen Jubiläum der Reaktivierung der DGD 1948 aufgreift, eine Diskussion, die vor 10 Jahren mit dem Aufsatz von Hansjoachim Samulowitz aus historischer Sicht behandelt wurde: 50 Jahre DGD? Anmerkungen zur „verschollenen“ Vorgeschichte der DGD. In: Nachrichten für Dokumentation 49(1998)6, S.331-332. Vor zwei Jahren hat Hansjoachim Samulowitz ein weiteres Mal etwas dazu geschrieben: Zur Gründungsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation. In: Nachrichten für Dokumentation, ISSN 0027-7436, Bd. 57 (2006), 4, S.191-196.

Von einem Vergessen der Gründungsgeschichte der DGD kann aus meiner Sicht keine Rede sein. Dass die DGD während der Zeit des Nationalsozialismus mit der gesamten Dokumentation Teil der Kriegswirtschaft war und auch eine propagandistische Rolle spielte, hat ja schon Elke Behrends in ihrer Dissertation dargestellt (Technisch-wissenschaftliche Dokumentation in Deutschland von 1900 bis 1945 : unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses von Bibliothek und Dokumentation / Behrends, Elke. Wiesbaden : Harrassowitz, 1995). Auch Erich Pietsch, der Vorsitzende der DGD nach Eppelsheimer, war ja in der NS-Zeit kein Heiliger und hat seine Rolle gespielt. Anpassung sowie Mitläufertum und das ‚Vergessen‘ derselben sind bei den in der DGD während und nach dem Kriege aktiven Personen genauso zu konstatieren wie bei den meisten anderen Deutschen, die diese Zeit mitgemacht haben.

Hier noch der Hinweis auf einen weiteren Beitrag zur Geschichte der DGD von Marlies Ockenfeld und Herrn Samulowitz auf der Konferenz 2002 in Philadelphia mit dem Titel „Libraries and Documentation in Germany: A Long-Lasting Conflict„.

Informationskompetenz auf der GMW-Tagung 2008

Wenn man schon auf Augsburger Seiten surft, sollte man den Blog von Gabi Reinmann „e-Denkarium“ nicht vergessen! Hier finden sich Berichte und Hinweise auf die Jahrestagung 2008 der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW).

Der Tagungsband ist im Volltext online und enthält im zweiten Abschnitt Beiträge unter dem Titel „Medien- und Informationskompetenz“ Kompetenzen von Studierenden und Lehrenden entwickeln“, unter anderen auch von der im letzten Blog-Eintrag erwähnten Nina Heinze und zum Thema E-Portfolios.

Bei den Poster-Beiträgen ist auf Seite 327 auch die Vorstellung des Online-Tutorials VISION der TUHH-Bibliothek durch meinen Kollegen Detlev Bieler dabei. Der Titel des Posters ist „‚Wissen aufgreifen, wie einen Stein am Strand …‘. Möglichkeiten der Visualisierung als didaktisches Mittel.“ Auf dem hier schon erwähnten Bibliothekartag 2008 in Mannheim hatte Detlev das Projekt ebenfalls vorgestellt.