Textsplitter zum Menschenschutz

Dass das bisher in diesem Blog vorherrschende Thema Informationskompetenz für mich immer auch was mit Umweltkompetenz bzw. „ecological literacy“ zu tun hat, zeigen manche Beiträge in diesem Blog und in meinen Veröffentlichungen.

Im Text „Wissenschaft und Offenheit“ hatte ich den Umweltwissenschaftler David W. Orr zitiert, der „ecological literacy“ beschreibt als „the ability to ask ‘What then?‘“ (in: Orr, David W.: Ecological literacy. Education and the transition to a postmodern world. Albany: State University of New York Press 1992, S. 85). Das „What then?“ stammt von Garret Hardin, vgl. etwa den Aufsatz „On being ecolate as well as literate and numerate“ (The Social Contract, 1999, 9(3), 139–144).

Vom gleichen David Orr findet man in einem Reader (S. 6) zu einer Tagung 2019 des Konzeptwerks Ökonomie mit dem Titel „Bildung Macht Zukunft – Lernen für die sozial-ökologische Transformation?“ das folgende nachdenklich machende Zitat zum Thema Bildung:

„Bildung wird weitgehend nicht als Problem gesehen, der Mangel daran aber sehr wohl. Der allgemeine Glaube besagt, dass Bildung gut ist und je mehr wir davon haben, desto besser. […] Die Wahrheit ist, wenn wir nicht gut aufpassen, dann rüsten wir mit Bildung Menschen dafür aus, die Erde noch effektiver zu zerstören.“

Dieses Zitat ist eine Übersetzung aus Orr, D. W. (2004). Earth in mind: On education, environment, and the human prospect. Island Press, S.5:
„Education is not widely regarded as a problem, although the lack of it is. The conventional wisdom holds that all education is good, and the more of it one has, the better. […] The truth is that without significiant precautions, education can euip people merely to be more effective vandals of the earth.“

Damit Letzteres nicht passiert, arbeiten Natur- und Umweltschutzverbände daran, das Natur- und Umweltbewusstsein, also „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE)“ zu fördern. Hauptarbeitsschwerpunkt der Verbände ist aus meiner Sicht aber das Begleiten von Politik und Verwaltung, um zu erreichen bzw. im Optimum sicher zu stellen (was zu selten gelingt!), dass die vorhandenen, teilweise recht guten rechtlichen Grundlagen des Natur- und Umweltschutzes von Politik und Verwaltung überhaupt eingehalten werden.

Seit einiger Zeit bin ich nun Teil der Redaktion eines Newsletters des Regionalverbandes Elbe-Heide des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Ab und zu schreibe ich hier auch eigene Beiträge im Sinne einer BnE. Diese Textsplitter der letzten Monate zum Natur-, Umwelt- und Klimaschutz, die ja alle eigentlich Menschenschutz darstellen, folgen in diesem Blog-Beitrag.

20. August 2022

„Da geht noch was : weniger ist mehr“ – jeder kann was tun. Tolle Slogans auf Plakaten einer im Rahmen der Wandelwoche 2022 in Lüneburg gezeigten Ausstellung des Zukunftsrates zu einem ernsten Thema.

Klima – Es wird Zeit zu handeln …

Im Rahmen der Wandelwoche 2022 in Lüneburg wurde auch eine Ausstellung mit dem Titel „Da geht noch was : weniger ist mehr“ gezeigt. Diese vom Zukunftsrat in Kooperation mit Volker Butenschön zusammengestellte Ausstellung gibt konkrete Anregungen zum Thema Klima. Zu den zum Nachdenken anregenden Plakaten – siehe deren Slogans in der Abbildung unten – sind vertiefenden Texte zur Ausstellung auch online verfügbar.

Das Thema Klima ergänzt eine Ausstellung der Zukunftsrates Lüneburg mit dem Titel „Bilder einer solidarischen Welt“, die unter der Federführung von Norbert Bernhold erstmals zur Wandelwoche 2020 in Lüneburg zu sehen war. Auch hier sind die angebotenen Links sowie der begleitende Reader zur Ausstellung voll von Anregungen zum Nachdenken und hoffentlich zum Handeln zu Themen wie „Ein Leben auf Kosten anderer“, „Das Ende der Wachstumsgesellschaft?“, „Arbeit neu denken“, „Commons“, „Eigentum und Wohnen“ und „Geld regiert die Welt“.

Gleichzeitig zeigt die „Ergänzung“ des Themas Klima zusätzlich zur Ausstellung zwei Jahre davor, dass der folgende Satz aus der Charta des Netzwerkes Klimajournalismus seine Richtigkeit hat:

“Die Klimakrise ist kein Thema, sondern – analog zu Demokratie und Menschenrechten – eine Dimension jedes Themas.”

25. Juni 2022

Nachdenkliches – ein Leser des Newsletters fragt:

„Sind wir deshalb Umweltsünder?
Wie sollen wir uns klimagerecht verhalten?“

Ein Leser des 8. Newsletter vom April 2022 hatte eine Anmerkung zu meinem Artikel „Heizen mit Holz“ geschrieben und stellt am Ende seiner Mail die beiden obigen Fragen.

Für mich sind beide Fragen exemplarisch für das Dilemma bzw. den Anachronismus, in dem wir alle stecken, eigentlich auch exemplarisch für Situation, in der unsere gesamte Gesellschaft gerade steckt. Beide Fragen müssen wir uns alle stellen.

„Sind wir deshalb Umweltsünder?“ Ich denke, wir alle müssen hier „ja“ sagen, egal was mit dem „deshalb“ gemeint ist, egal wie und wo wir leben, insbesondere aber in den Ländern der nördlichen Halbkugel der Erde.

Und auch die zweite Frage, „Wie sollen wir uns klimagerecht verhalten?“, müssen wir alle uns immer wieder regelmäßig stellen und in Abhängigkeit vom jeweiligen (eigenen) Wissenstand und vom individuellen Kontext immer wieder neu beantworten. Dabei kommt man sicher oft auch zu Antworten, die nicht unbedingt umweltbewusst ausfallen oder die man sich selbst „schönredet“, mir geht es jedenfalls immer so. 😎 Manchmal, sicher nicht häufig genug, ändere ich dann mein Verhalten.

Der Leser, der geschrieben hatte, heizt teilweise auch mit Holz, wobei er hauptsächlich gefällte Bäume von seinem oder von Nachbargrundstücken nutzt. Zur energetischen Verwendung von Holz haben das Umweltbundesamt und die Umweltverbände eine eindeutige Haltung. Diese wurde ja im Text zum Heizen mit Holz im 8. Newsletter deutlich. Sie ist aus meiner Sicht leider in der Politik und in der Gesellschaft insgesamt noch nicht wirklich angekommen.

Aus einer Außensicht auf die vom Leser beschriebene Situation hier noch zwei Hinweise:

  1. Wenn der Platz vorhanden ist, kann man Holz teilweise auch einfach liegen und verrotten lassen. Altholz kann ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere und auch Pflanzen sein.
  2. Wenn man Holz verheizt, sollte die Emission von Feinstaub soweit wie möglich verringert werden. Die Deutsche Umwelthilfe weist daher auf Festbrennstofföfen mit „Blauem Engel“ hin, es gibt seit Januar 2022 auch schon einen Blauen Engel für Staubabscheider zum Nachrüsten der Öfen. Siehe zum Thema „Feinstaub aus Kaminöfen“ auch den Beitrag im Newsletter 4 vom 26.12.2021.

 

28. Mai 2022

Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt fachlich fundierte und gut lesbare Zeitschriftenhefte und Bücher zum Umwelt- und Klimaschutz heraus. Wir haben für Sie eine Auswahl vorbereitet.

Praktisches Handeln benötigt theoretische Hintergründe – Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung bieten diese!

Handeln als gute Praxis im Natur- und Umweltschutz benötigt auch theoretische Hintergründe. Hierbei können die allgemeinverständlichen Veröffentlichungen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zum Umwelt- und Klimaschutz eine gute Unterstützung sein. Gedruckte Bücher von der bpb – oft als Wiederveröffentlichung von Verlagspublikationen – sind zu niedrigen Preisen zu erhalten, viele Veröffentlichungen sind aber auch frei online zugänglich. Wir haben für Sie im Folgenden eine Auswahl vorbereitet.

Die Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn bietet in öffentlichem Auftrag allen Bürgerinnen und Bürgern vielfältige Informationen zu politischen Themen zwischen Staat, Politik, Bildungsinstitutionen, Wissenschaft und Medien.

Sogenannte Dossiers sind Eingangstore zu den vielfältigen themenspezifischen Informationsangeboten der Bundeszentrale, hier etwa zum Klimawandel.

In der Schriftenreihe der bpb werden Verlagspublikationen zu günstigen Preisen (selten teurer als 7,- Euro) wieder veröffentlicht, hier als Beispiele ausgewählt die Bände „Das Verstummen der Natur : Das unheimliche Verschwinden der Insekten, Vögel, Pflanzen – und wie wir es noch aufhalten können“ (2018, 2019) und „Über Leben und Natur : Verstehen, was biologische Vielfalt für unser Leben bedeutet“ (2020, 2021).

2021 wurde von der bpb ein Band mit Aufsätzen von Autor*innen des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam exklusiv veröffentlicht. Dieser trägt den Titel „Klimaschutz : Wissen und Handeln“ und thematisiert Voraussetzungen für eine erfolgreiche Klimapolitik, Herausforderungen klimapolitischer Strategien und beleuchtet dabei auch regionale Perspektiven.

Die Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ)“ der bpb bietet regelmäßig Themenhefte mit Aufsätzen unterschiedlichster Autoren, auch aus dem Umwelt- und Klimaschutz-Bereich. Alle Hefte sind frei verfügbar zum Download als PDF-Datei.

Umwelt- und klimarelevante Themen waren z.B. der Klimawandel (2007!), Biodiversität (2008!), Klimadiskurse (2019), der Natur- und Artenschutz (2020), die Endlagersuche (2021) und das Wasser (2021). Die Autoren der jeweiligen Heft betrachten das Thema aus verschiedenen Kontexten heraus, so gibt es etwa beim Band Klimadiskurse, siehe links das Inhaltsverzeichnis auf dem Titelblatt, einen Text zu „Fridays for Future“ und Aufsätze mit Titeln wie „Die Wissenschaften in der Klimakrise“ und „Journalisten im Klimakrieg“.

Auch die andere, ebenfalls digital verfügbare Zeitschrift der bpb, die „Informationen zur politischen Bildung“, behandelt historische, politische und sozialwissenschaftliche Themen. Vor Kurzem ist eine Ausgabe zum „Klima“ erschienen.

Wissen um theoretische Hintergründe in den Bereichen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz, die ja eigentlich zugleich Menschenschutz darstellen, ist also genug vorhanden und wird vielfach publiziert. Jetzt fehlt nur noch ein verstärktes Handeln von uns allen.

P.S. Gerade neu erschienen ist eine spannende Ausgabe der APuZ mit der Überschrift „Ökologie und Demokratie“!

30. April 2022

 
Heizen mit Holz

Holz ist ein wichtiger Rohstoff für langlebige Gebrauchsgüter. Zum Verheizen ist es eigentlich viel zu schade! Zudem ist die Verbrennung von Holz in der Regel nicht treibhausgasneutral, schon bei der Bereitstellung (Holzernte, Transport und Bearbeitung) entstehen Emissionen. Was dabei noch zu bedenken ist…

Die energetische Verwertung von Holz ist nicht klimaneutral.

Holz als wichtigen Rohstoff zu verheizen, ist viel zu schade. Deshalb rät das Umweltbundesamt von der Verbrennung von Holz in kleinen Feuerungsanlagen ab (Siehe https://www.zdf.de/nachrichten/politik/heizen-holz-umweltbundesamt-100.html). Vielelanglebige Gebrauchsgüter benötigen Holz. Eine energetische Verwertung von Holz sollte erst am Ende einer Kaskadennutzung in diesen Gütern (z. B. Häuser, Möbel) erfolgen.

Zudem ist die Verbrennung von Holz in der Regel nicht treibhausgasneutral, schon bei der Bereitstellung (Holzernte, Transport und Bearbeitung) entstehen Emissionen, vgl. „Heizen mit Holz : Ein Ratgeber zum richtigen und sauberen Heizen mit Holz. Ausgabe 2020.“ Dessau-Rosslau: Umweltbundesamt, 2020, S. 29. Neben dem privaten Heizen mit Holz gilt dies um so mehr für die industrielle Holzverbrennung zur Energieerzeugung. Leider hat die EU-Kommission in ihrem Entwurf zur Taxonomie auch die Gewinnung von Bioenergie, also etwa die Verbrennung von Holz, ebenso wie die Kernkraft und das Verbrennen von Erdgas als nachhaltig eingestuft (vgl. „Die Zeit“ 31.3.2022). Diese Taxonomie stellt ein Klassifikationsinstrument dar, das anzeigen soll, ob Unternehmen nachhaltig wirtschaften.

Deutsche Umweltverbände haben als Klima-Allianz Deutschland – dabei ist auch der BUND – schon im Jahre 2020 in einer gemeinsamen Erklärung zur Verwertung von Holz als Biomasse für den Energie-Sektor Stellung bezogen: „Kein Raubbau im Wald für einefalsche Energiewende“.

Nach einem Bericht in der Wochenzeitung „Die Zeit“ mit dem Titel „Heizen mit Holz: Klimaneutrale Energie? Von wegen“ hat die Forest Defenders Alliance (FDA) in einem Bericht durch Aufnahmen via Satellit und vor Ort gezeigt, dass in Europa regelmäßig ganze Baumstämme verbrannt werden.

Zusätzlich zur unnötigen Vernichtung von Bäumen ist etwa die private Holzfeuerung erheblich an der Verschmutzung der Luft mit Feinstaub beteiligt. Laut Umweltbundesamt übersteigen die Feinstaub-Emissionen (PM10) aus „Holzkleinfeuerungsanlagen mit 18,6 Tsd. t […] in Deutschland mittlerweile die Auspuffemissionen von Lkw und Pkw (Auspuffemissionen Straßenverkehr ca. 6,8 Tsd. t PM10).“

Es geht zukünftig vor allem darum, Kohlenstoffdioxid langfristig zu speichern, etwa durch die Aufgabe der Nutzung auf mindestens ein Drittel der Waldfläche, und dies besonders in den wertvollen Altwäldern mit großem Holzvorrat, also durch die Schaffung von mehr Naturwäldern. Aber auch durch adäquate Bodenbehandlung, nicht nur im Waldbau sondern auch in der Landwirtschaft sowie durch die Vernässung von ehemaligen Mooren wird deutlich mehr CO2 als durch Aufforstung von Wald.

Karl-Friedrich Weber, der waldpolitische Sachverständige des BUND Niedersachsen, hat in seinem Waldbrief Nr. 59 vom 26.02.2022 mit dem Titel „Ist Energieholznutzung klimaneutral?“ umfassend zur Holzverbrennung Stellung bezogen. Seine regelmäßig erscheinenden Waldbriefe sind eine wahre Fundgrube an Themen für alle, die sich für den Wald interessieren. Weber ist auch einer der Autor*innen im Sammelband „Der Holzweg: Wald im Widerstreit der Interessen“ (Knapp, H. D., Klaus, S., & Fähser, L. (Hrsg.). (2021). Succow Stiftung ; Oekom Verlag) mit vielen besorgten und kritischen Texten zur Situation des Waldes in Deutschland. Einer der interessantesten Text in diesem Band ist: Ibisch, P., Welle, T., Blumroeder, J., Sommer, J., & Sturm, K. (2021). Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht (S. 175–200). Dieser beschäftigt sich auch kritisch mit der Klimaneutralität der Holznutzung.

Aktuell hat auch der Nabu auf die Problematik hingewiesen – vgl. Helge May: Der große Bluff : Die EU propagiert Holzverbrennung in Kraftwerken als klimaneutrale Form der Energiegewinnung. Doch das Gegenteil ist der Fall. In: Naturschutz heute, Frühjahr 2022, S. 22-236 – und sich eindeutig positioniert: Er „lehnt die Verbrennung von Holzbiomasse zur Energiegewinnung im industriellen Maßstab ab. Wälder müssen als natürliche CO -Senken und Lebensraum? erhalten bleiben. Holz sollte daher nur am Ende der Nutzungskaskade verbrannt werden, das heißt: Wenn es bereits als Werkstoff genutzt wurde und keinem anderen Zweck mehr dienen kann.“ (Vgl. https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/nachhaltiges-wirtschaften/biooekonomie/biomasse/31319.html)

 
Mehr Moor = weniger CO2

Moore binden viel Kohlenstoffdioxid und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Eine Wiedervernässung von trocken gelegten Moorflächen ist möglich und oft ratsam, auch in Lüneburg! – Ein Überblick:

Wiederbewässerung von Mooren spart Millionen Tonnen CO2

Das vor kurzem vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz verlautbarte Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz zur Stärkung der Biodiversität und zur Förderung des Klimaschutz betont die Bedeutung von Mooren. Warum Moore so wichtig für den Klimaschutz sind, dafür wollen wir im Folgenden – zusammen mit dem Angebot einer Führung zum „Ochtmisser Moor“ und weiteren Ausflugs-Tipps – aufmerksam machen.

In Deutschland machen Moore „7 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus und verursachen 36 % aller landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen (= 43 Mio. t CO2-Äq., einschl. Methan aus der Viehhaltung und N2O aus der Düngung)“. (S. 12 in: Klimaschutz auf Moorböden : Lösungsansätze und Best-Practice-Beispiele / Greifswald Moor Centrum ; Abel, Susanne, Barthelmes, Alexandra, Gaudig, Greta, Joosten, Hans, Nordt, Anke & Peters, Jan ; unter Mitwirkung von Couwenberg, J., Dahms, T., Hohlbein, M., Kaiser, M. & Tanneberger, F.. – Greifswald Moor Centrum, 2019. Greifswald Moor Centrum-Schriftenreihe 03/ 2019 Vgl. auch diesen Aufsatz: Succow, M., Gaudig, G., & Tanneberger, F. (2021). Die Vernutzung der Moore Deutschlands und ihre klimatischen Folgen. In Lozán, J. L., Breckle, S.-W., Graßl, H., & Kasang, D. (Hrsg.). Warnsignal Klima: Boden- und Landnutzung: wissenschaftliche Fakten (S. 125-135). Hamburg: Wissenschaftliche Auswertungen in Kooperation mit GEO.)

Im einem Interview mit der „tageszeitung“ nennt der am Greifswald Moor Centrum forschende und nun emeritierte Moor-Experte Hans Joosten weitere beeindruckende Zahlen:

„… Schon 83 Prozent der Moore sind für die Landwirtschaft entwässert. … Windräder in Deutschland sparen zwei Millionen Tonnen CO2 – die entwässerten Moore emittieren sechs Millionen Tonnen.
… Der Klimaschaden von Landwirtschaft auf Moor allein in Deutschland kostet nach offiziellen Zahlen acht Milliarden Euro pro Jahr.“

Damit wird die große Bedeutung der Wiedervernässung von Mooren für das Speichern von CO2 sowie für das Verhindern der weiteren Emission dieses Klimagases aus trockengelegten Mooren deutlich.

Das Thema Moor „boomt“, was durch eine Vielzahl von Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen deutlich wird:

Dass die Wiedervernässung von Mooren kein Widerspruch zu Land- und Forstwirtschaft sein muss, dies haben etwa die in Greifswald Forschenden unter dem Namen Paludikultur deutlich gemacht. Von den in Greifswald gemachten praktischen Erfahrungen wurde auf der Konferenz „Moorschutz ist Klimaschutz“ am 28.03.2022 in Berlin berichtet, die auch als Livestream zur Verfügung steht.

Aus Greifswald kommt auch ein Informationspapier zu „Photovoltaik-Anlagen auf Moorböden“ mit dem Vorschlag, die immer attraktiver werdende Errichtung von PV-Anlagen als Hebel zu nutzen, um den Umfang der jährlich wiedervernässten Moorböden-Flächen zu erhöhen.

Moore in Stadt und Landkreis Lüneburg

Gibt es überhaupt noch Moore im Lüneburger Stadtgebiet? Namen wie Kaltenmoor und Moorfeld verdeutlichen, dass Moore früher durchaus Teil des Stadtgebietes gewesen sein müssen. Geht man im Grüngürtel von Lüneburg spazieren, etwa in der Nähe von Ochtmissen, fallen einem durchaus Feuchtgebiete auf, die früher auch als „Ochtmisser Moor“ bezeichnet wurden (siehe die Interaktiven Karte zum Landschaftsplan Lüneburg).

Eine Fotostrecke bei einem Spaziergang am „Ochtmisser Moor“ zwischen Vögelsen und Ochtmissen-Krähornsberg zeigt, dass durch ein Verzicht auf Entwässerung durchaus ein attraktives Feuchtgebiet entstehen könnte. Ein weiteres Moor im Lüneburger Stadtgebiet ist das Naturschutzgebiet „Dümpel an der Landwehr“, das auf dem Screenshot oben links eingezeichnet ist.

Im alten Landschaftsplan der Stadt Lüneburg aus dem Jahre 1996 gibt es auf Seite 55 eine Tabelle „Landnutzungsveränderungen im Stadtgebiet Lu?neburgs, ein Vergleich zwischen 1879 und 1990 (Flächenangaben in ha, ca., gerundet auf ganze Zahlen)“

1879 gab es im Stadtgebiet von Lüneburg 59 ha Moor und Sumpf, 1990 sind davon 2 ha übrig geblieben. Deutlich ist hier die Abnahme der Moorgebiete in der Stadt seit 1879.

Und wie sieht es im Landkreis Lüneburg aus? Exemplarisch lässt sich hier ebenfalls zeigen, dass im gesamten Landkreis Lüneburg in den letzten Jahren der Flächenanteil von Mooren kontinuierlich zurückgegangen ist. Dieser Trend sollte im Sinne des Klimaschutzes umgedreht werden, auch im Landkreis Lüneburg!

Moor in ha

Sumpf in ha

2004

77,82

2013

69

204

2015

67

206

2016

65

240

2017

47

280

2018

39

260

2019

36

257

2020

25

270

Tabelle: Moor- und Sumpfflächen im Landkreis Lüneburg (Quellen: Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung – Statistische Berichte. Landesamt für Statistik Niedersachsen)

Ausflugstipps

  • 27.5.2022, 16.00 Uhr: „We want Mo(o)re!“ – eine Führung mit Ansgar Suntrup zu den Resten des Ochtmisser Moores, veranstaltet vom BUND Regionalverband Elbe-Heide. Treffpunkt: Parkplatz für den Friedhof Nordwest, Am Wienebütteler Weg.
  • Wollen Sie ein intaktes Moorgebiet in nicht zu großer Entfernung von Lüneburg besuchen, sind unbedingt das Pietzmoor bei Schneverdingen sowie das Tister Bauernmoor zwischen Sittensen und Tostedt zu empfehlen.

Und noch eine Ergänzung zum Thema „Wiedervernässung von Mooren und Methan“:

Im Zusammenhang mit dem Projekt der Moorentwicklung durch Wiedervernässung wird manchmal diskutiert, dass das bei der Wiedervernässung entstehende Methan aus diesem Boden wesentlich klimaschädlicher sei.

In einem Flyer „Was haben Moore mit dem Klima zu tun?“ der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde ist das auch ein Thema und als Hinweis steht dort:

„Um die Methanbildung gering zu halten, sollten zu vernässende Flächen, wenn technisch möglich, nicht überstaut sowie der Aufwuchs zuvor geerntet und von der Fläche gefahren werden. Optimal ist es, in den ersten Jahren der Vernässung den Wasserstand knapp unter der Bodenoberfläche zu halten.“

Zu berücksichtigen ist aber aus meiner Sicht auch, dass die Aussagen des Flyers den Stand des Jahres 2007 widerspiegeln! Auch die 3. Auflage des Flyers von 2017 enthält keine Änderungen zur ersten Ausgabe von 2009. Der dort zitierte Aufsatz des Flyer-Redakteurs steht online zur Verfügung (Höper, H. (2007). Freisetzung von Treibhausgasen aus deutschen Mooren. TELMA – Berichte der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde, 37, 85–116.)

Hinweise auf aktuellere wissenschaftliche Erkenntnissen liefert etwa eine Presseerklärung eines Projektes von Rostocker und Greiswalder WissenschaftlerInnen, Wetscapes genannt. Hier heisst es:

„Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden heraus, dass der Klimaeffekt von bewirtschafteten Mooren vor allem durch Kohlendioxid bestimmt wird, nicht durch Methan. Methan hat am Anfang zwar eine stärkere Treibhauswirkung als Kohlendioxid, verschwindet aber auch wieder relativ schnell aus der Atmosphäre.“

In der passenden dpa-Meldung, die die Wochenzeitung „Die Zeit“ genutzt hat, steht: „Zudem zeigten sich bei wiedervernässten Moore entgegen gängiger Erwartung keine sehr hohen Methanemissionen.“.

Die Originalveröffentlichung ist frei verfügbar: Günther, A., Barthelmes, A., Huth, V., Joosten, H., Jurasinski, G., Koebsch, F., & Couwenberg, J. (2020). Prompt rewetting of drained peatlands reduces climate warming despite methane emissions. Nature Communications, 11(1), 1644.

Besonders beeindruckend finde ich die Kurven von S. 2 der Veröffentlichung.

Für mich bedeutet das: Wiedervernässen von Mooren so schnell wie möglich und so viel wie möglich!

 

26. März 2022

Zum Lesen: Buchreihe Warnsignal Klima

Herausforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes sind in der Regel sehr komplex und wenn man tiefer einsteigt, erkennt man oft, das einfache Antworten selten ausreichen. Allen, die punktuell tiefer in den Umwelt- und Klimaschutz eintauchen wollen, sei die Buchreihe „Warnsignal Klima“ aus dem Umfeld der Hamburger Klimaforscher empfohlen, deren einzelne Beiträge alle auch frei zugreifbar als PDF-Datei vorliegen. In der detaillierteren Information wird auf drei Aufsätze zu den Themen Wiesen und Weiden, städtische Luftqualität sowie Wiedervernässung von Mooren besonders hingewiesen.

Einfache Antworten reichen bei den Herausforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes nicht aus – die Buchreihe „Warnsignal Klima“ ermöglicht ein tieferes Einsteigen in einer Vielfalt von Themen

Seit 2005 wird die Buchreihe „Warnsignal Klima“ von Hamburger Klimaforschern in Zusammenarbeit mit dem Magazin „GEO“ herausgegeben. In jedem Band steht ein Oberthema im Mittelpunkt, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Fachdisziplinen in Dutzenden von Aufsätzen im Zusammenhang mit dem Klimaschutz genauer betrachten. Es begann 2005 mit dem Thema „Wasser“, es folgten bis heute die Bände Wasser, Polarregionen, Meere, Gesundheitsrisiken, Eis der Erde, Biodiversität, Wetterextreme, Städte, Hochgebirge und – zuletzt im Jahre 2021 erschienen – Boden und Landnutzung.

Die darin enthaltenen Aufsätze sind selten länger als 6-8 Seiten und jeweils mit Farbbildern und genauen Literaturangaben versehen. Im Sinne guter Wissenschaftskommunikation haben die Texte, trotz ihrer „Wissenschaftlichkeit“, den Anspruch, die Komplexität der jeweiligen Themen gerade „Politikern, Behörden, Umweltorganisationen, Lehrern, Schülern und interessierten Laien“ zu vermitteln.

Die Bände sind in gedruckter Form käuflich zu erwerben. Die Aufsätze aller Bände stehen aber auch in freiem Zugriff („Open Access“) zum Download zur Verfügung, wobei die Texte der letzten Bände direkt nachgenutzt werden können, wenn beim Zitieren die entsprechende Creative-Commons-Lizenz benutzt wird.

Damit Sie beurteilen können, was Sie erwartet, folgen nun drei, auch aus Lüneburger Sicht, besonders interessante Beispiele aus drei Bänden der letzten Jahre.

  1. Lozán, J. L., Breckle, S.-W., Müller, R., & Rachor, E. (Hrsg.). (2016). Warnsignal Klima: Die Biodiversität: unter Berücksichtigung von Habitatveränderungen, Umweltverschmutzung und Globalisierung: wissenschaftliche Fakten: mit 224 Abbildungen, 10 Tabellen und 6 Tafeln. Verl. Wissenschaftliche Auswertungen.

    Dieser Band enthält einen Beitrag der an der Leuphana in Lüneburg lehrenden Professorin für Ecosystem Functioning & Services Vicky M. Temperton mit dem Titel „Grünland spielt eine wichtige Rolle für die Vielfalt und für das Klima“ (S. 170-176). Der Text zeigt auf, welche Bedeutung artenreiche Wiesen und Weiden – aufgrund ihrer extrem hohen Vielfalt an Pflanzen auf kleinem Raum – als heute immer stärker gefährdete Ökosysteme für den Erhalt der Biodiversität und für die Minderung des Klimawandels haben.

  2. Markus Quante, Volker Matthias, & Martin Ramacher. (2019). Städtische Luftqualität im Klimawandel. In Lozán, J. L., Breckle, S.-W., Graßl, H., Kuttler, W., & Matzarakis, A. (Hrsg.). (2019). Warnsignal Klima: Die Städte: wissenschaftliche Fakten. Wissenschaftliche Auswertungen (S. 120–127). Hamburg: Wissenschaftliche Auswertungen in Kooperation mit GEO. https://doi.org/10.25592/UHHFDM.9390

    Der ebenfalls an der Leuphana lehrende, am „Institut für Umweltchemie des Küstenraumes“ des Helmholtz-Zentrums Hereon in Geesthacht forschende Wissenschaftler Markus Quante gibt mit zwei Co-Autoren einen Überblick, welche Auswirkungen der Klimawandel auf Luftschadstoffe wie Ozon und Feinstaub in Städten hat.

  3. Succow, M., Gaudig, G., & Tanneberger, F. (2021). Die Vernutzung der Moore Deutschlands und ihre klimatischen Folgen. In Lozán, J. L., Breckle, S.-W., Graßl, H., & Kasang, D. (Hrsg.). Warnsignal Klima: Boden- und Landnutzung: wissenschaftliche Fakten (S. 125-135). Hamburg: Wissenschaftliche Auswertungen in Kooperation mit GEO. https://doi.org/10.25592/uhhfdm.9937

    Die Autoren des Greifswald Moor Centrums betonen die meistens noch wenig bewusste Bedeutung der Wiedervernässung von Mooren für das Speichern von CO2 sowie für das Verhindern der weiteren Emission dieses Klimagases aus trockengelegten Mooren. Dabei nennen sie schon in der Zusammenfassung nachdenklich machende Zahlen: „Die heute weitestgehend entwässerten Moore emittieren 53 Mio. t CO2-Äquivalente, das sind rund 7% der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands. Die ca. 7% der Agrarflächen ausmachenden Moorstandorte verursachen damit 41% der landwirtschaftlichen Emissionen.“

    Beeindruckend ist übrigens auch der online verfügbare Vortrag zur großen Bedeutung der Wiedervernässung von Mooren für einen effektiven Klimaschutz. Dieser Vortrag wurde Mitte Februar 2022 beim Hanse Wissenschaftskolleg in Delmenhorst vom ebenfalls in Greifswald forschenden Moor-Experten Hans Joosten gehalten. Der Vortrag trug den Titel „Klima, Wasser, Moore“, dazu gab es auch ein passendes Interview in der Presse.

 

26. Februar 2022

BUND und Heinrich-Böll-Stiftung geben zu wichtigen Themen des Umweltschutzes sogenannten Atlanten heraus, die jeweils in kompakter Form Informationen mit veranschaulichenden Grafiken zum Thema enthalten. Gerade ist im Januar 2022 der Pestizidatlas mit Daten und Fakten zum Einsatz und zur Wirkung von Giften in der Landwirtschaft neu erschienen. Hier stellen wir das Heft vor.

Zum Lesen: Pestizidatlas 2022 und die Atlanten der Heinrich-Böll-Stiftung

Wissen in den Bereichen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz, die ja eigentlich zugleich Menschenschutz darstellen, ist genug vorhanden und wird vielfach publiziert. Aber wer will immer wieder mehr dazu lesen?

Auch wenn Ihnen viele der Themen in Natur-, Umwelt- und Klimaschutz bewusst sind und Sie eigentlich schon genug wissen, möchten wir Ihnen hier konzentrierte Texte und Werke zu den oben genannten Bereichen vorstellen. Vielleicht könnte das eine kleine Kolumne im Newsletter des Regionalverbandes werden!? Denn … vielleicht ist ja doch noch etwas für Sie dabei?! Und … vielleicht kommen wir alle auch mehr und mehr ins verstärkte Handeln?!

Diesmal sind die auch vom BUND mit verantworteten, im Netz frei verfügbaren Atlanten der Heinrich-Böll-Stiftung Thema. Denn gerade ist im Januar 2022 der Pestizidatlas mit Daten und Fakten zu Giften in der Landwirtschaft neu herausgekommen.

Der Pestizidatlas 2022 und andere Atlanten der Heinrich-Böll-Stiftung

Die schon seit 2013 regelmäßig erscheinenden, als PDF-Datei frei herunter ladbaren Atlanten der Heinrich-Böll-Stiftung sind in der Regel ein Kooperationsprojekt mit dem BUND. Alle Hefte enthalten zum jeweiligen Thema bis zu zwanzig zweiseitige Artikel, die mit veranschaulichenden Info-Grafiken illustriert sind. Zuletzt wurde im Januar 2022 der Pestizidatlas publiziert.

Eigentlich wissen wir es ja, der Einsatz von Pestiziden – also von Substanzen, die als „Pflanzenschutzmittel“ oder als Biozide eingesetzt werden, um unerwünschte Organismen zu bekämpfen und damit die landwirtschaftliche Kultur zu schützen – ist in der Regel schädlich für Mensch, Natur und Umwelt. Zusammengefasst wird das Wichtigste in „Zwölf Lektionen“ auf zwei Seiten am Anfang des Atlanten (S. 8-9).

Wie sieht nun der „Pestizideinsatz in Deutschland“ aus? Welche gesundheitlichen und ökologischen (wie etwa das „Insektensterben“) Folgen gibt es? Welche Pestizide schwimmen im „Gewässer“ mit, welche werden „vom Winde verweht“? Welche Geschäfte werden mit Pestiziden gemacht, von wem und wohin werden diese ex- bzw. importiert, wie reagieren Behörden und Politik? Das sind einige der diskutierten Fragen.

Wenn Sie nun neugierig geworden sind, schauen Sie einfach mal in das Heft. Auch die anderen Atlanten, etwa der 2021 erschienene „Fleischatlas“ (Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel), dessen vier Vorausgaben 2018 und früher erschienen sind, oder der 2020 publizierte „Infrastrukturatlas“ mit „Daten und Fakten über öffentliche Räume und Netze“ bzw. der zum Pestizidatlas inhaltlich passende „Insektenatlas“ mit „Daten und Fakten über Nütz- und Schädlinge in der Landwirtschaft“ sind einen Blick wert.

Übrigens, die Texte und Infografiken der meisten Atlanten können von jedem – wie in diesem Beitrag – eins zu eins übernommen und nachgenutzt werden, wenn beim Zitieren die entsprechende Creative-Commons-Lizenz benutzt wird.

 

26.12.2021

Das Heizen mit Holz in Festbrennstofföfen und -kaminen ist eine der Hauptquellen von gesundheitsschädlichem Feinstaub und Ruß in unserer Atemluft. Mit der Kampagne „Kein Ofen ohne Filter“ der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sollen Städte und Gemeinden dazu bewegt werden, Filter beziehungsweise Staubabscheider für Holzöfen vorzuschreiben. Auch für Lüneburg wäre dies sehr sinnvoll!

Kein Ofen ohne Filter! Mitmach-Aktion der Deutschen Umwelthilfe

Das Heizen mit Holz in Festbrennstofföfen und -kaminen ist eine der Hauptquellen von Feinstaub und Ruß in unserer Atemluft. Vermeintlich klimaneutrales Heizen mit Holz ist gesundheitsschädlich. Mit einer neuen Kampagne „Kein Ofen ohne Filter“ der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sollen Städte und Gemeinden dazu bewegt werden, endlich Filter beziehungsweise Staubabscheider für Holzöfen vorzuschreiben. Da dies auch für Lüneburg sinnvoll ist, stellt der Regionalverband Elbe-Heide einen Antrag für eine Filterpflicht für Kaminöfen in Lüneburg an die Stadt.

Das Heizen mit Holz in Festbrennstofföfen und -kaminen, das sich auch in Lüneburg steigender Beliebtheit erfreut, ist eine der Hauptquellen von Feinstaub und Ruß in unserer Atemluft (vgl. auch das Projekt Clean Heat der Deutschen Umwelthilfe (DUH)). Gerade in der kalten Jahreszeit ist dies – vorwiegend durch den Geruch – feststellbar:

„Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Rauchgeruch und Luftverschmutzung durch Holzfeuerung. Übermäßiger Rauch und Geruch sind in der Regel auf Fehlbedienung oder gar Brennstoffmissbrauch zurückzuführen. “ (Flyer „Feinstaub aus Kaminöfen und Co.“ des DUH-Projektes, S.2)

Vermeintlich klimaneutrales Heizen mit Holz ist gesundheitsschädlich.

Mit Hilfe eines Online-Tools der DUH können alle Interessierten einen Bürgerantrag an die eigene Stadt oder Gemeinde stellen, damit das Thema in der Politik ankommt. Mit Hilfe des Tools erhalten alle Teilnehmenden per E-Mail ein personalisiertes Musterschreiben, um dieses dann per E-Mail oder als normalen Brief an die Bürgermeisterin oder den Bürgermeister im eigenen Wohnort zu senden und eine Filterpflicht für Holzöfen zu beantragen.

Besonders relevant ist das Thema auch vor dem Hintergrund, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO im September 2021 neue globale Luftgüteleitlinien mit strengeren Werten insbesondere beim Feinstaub verabschiedet hat.

Der Wert beim Feinstaub mit kleinen Partikeln (PM 2,5) wurde auf höchstens fünf statt bisher zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft verschärft, bei den etwas größeren Partikeln (PM 10) nun 15 statt bisher 20 Mikrogramm.

Die Leitlinien sind Empfehlungen und müssten erst noch durch die Europäische Union (EU) und den Gesetzgeber festgesetzt werden, damit sie rechtlich verbindlich werden. Zur Zeit liegen die EU-Grenzwerte mit 25 Mikrogramm (PM 2,5) bzw. 40 Mikrogramm (PM 10) sogar deutlich höher als die alten Grenzwerte der WHO.

Laut WHO ließen sich weltweit „nahezu 80 % der Todesfälle im Zusammenhang mit PM 2,5 vermeiden, wenn die derzeitige Belastung durch Luftverschmutzung auf die in den Leitlinien vorgeschlagenen Werte gesenkt“ würde.

Dass auch in Lüneburg die Werte an Feinstaub oft deutlich über den neuen WHO-Werten liegen, zeigen zwei Screenshots vom 5. Dezember 2021 des in Lüneburg installierten Netzes von privat betriebenen Feinstaub-Sensoren mit Wer-
ten für PM 2,5 und PM 10.