Archiv für die Kategorie ‘Higher education’

Konvergenzen 2

Samstag, 12. Dezember 2009

Konvergenzen enthielt auch mein Vortrag mit dem Titel "Between manifold and completeness – mathematics and form in the work of Wilhelm Ostwald with crosslinks to Wald" auf einem Workshop "Wald, Positivism, and Chemistry" gesponsert von der Wald-Foundation in Kooperation mit der International Society for the Philosophy of Chemistry in Prague-Pruhonice im Oktober (16-17.9.2009).

Einserseits verbanden sich in meiner Präsentation meine beiden Studienfächer Chemie und Mathematik, andererseits führte mich die Beschäftigung mit dem tschechischen Chemiker Frantisek Wald, der Ende des 19. Jahrhunderts die vorherrschende Atomlehre in Frage stellte, zusammen mit der Beschäftigung mit Konzepten wie "Mannigfaltigkeit" und "Restlosigkeit" zu einem besseren Verständnis davon, wie viel Chemie in Ostwald’s Gedanken zum Informationswesen und den Brücke-Aktivitäten steckt (vgl. Folien 28-31). Neben Ostwald sind z.B. weitere Pioniere des Informationswesens wie Erich Pietsch und Gene Garfield, der Entwickler des Science Citation Index, von Hause aus Chemiker! Ein aktueller Gebrauch der Chemie-Metapher in der digitalen Informationswelt stammt von Peter Glaser: Die Chemie des Digitalen.

Auch meine schon lange währenden Interessen, Wissenschaftsgeschichte bei der Vermittlung von Wissenschaft zu nutzen, kamen bei diesem Workshop auf ihre Kosten.

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Konvergenzen 1

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Den Zusammenhang von Informationskompetenz und Kreativität habe ich ja hier schon mal erwähnt. So hat auch das Thema Zugang bzw. Open Access etwas mit Innovation und Kreativität zu tun, wie es etwas die "Charter for Innovation, Creativity and Access to Knowledge : Citizens’ and artists’ human rights in the digital age" betont!

Im Rahmen von Vorbereitungen für einen Innovationsprozess, an dem ich beruflich beteiligt bin, habe ich im Buch “Systemisches Innovations- und Kompetenzmanagement : Grundlagen – Prozesse – Perspektiven / von Gustav Bergmann, Jürgen Daub (2. Aufl. Wiesbaden : Gabler Verlag / GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden, 2008)” gestöbert und hier manches Interessante gefunden, was das Thema Informationskompetenz aus einer leicht veränderten Sicht beleuchtet. Kompetenzentwicklung wird hier als "Fähigkeit zur Selbstentdeckung und -erprobung" (S. 75) beschrieben.

Kompetenzen können nicht absolut und kontextneutral einer Person zugeordnet werden, sondern entwickeln sich in den jeweiligen sozialen Feldern interaktiv. (S.74)

Und weiter:
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Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung

Samstag, 10. Oktober 2009

Im gerade erschienenen, umfangreichen Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung, herausgegeben von Rudolf Tippelt und Aiga von Hippel (3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden : VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009), das im Intranet der TU Hamburg-Harburg auch online zur Verfügung steht, finden sich eine Reihe an interessanten Beiträgen, u.a.:

Erste Dissertation zum Thema “Information literacy” aus Deutschland

Montag, 24. August 2009

Susanne Mühlbacher hat die erste Doktorarbeit zum Thema “Informationskompetenz” in Deutschland geschrieben. Sie ist leider zur Zeit nur gedruckt unter dem Titel “Information Literacy in Enterprises / von Susanne Mühlbacher (Schriften zur Informationswissenschaft; Bd. 51). Boizenburg : Hülsbusch, 2009 (Diss., Univ. Regensburg, 2008)” erschienen. Das Inhaltsverzeichnis steht im Netz zur Verfügung. Der 2007 beim Konstanzer KWIL-Workshop von Susanne Mühlbacher, Rainer Hammwöhner und Christian Wolff vorgestellte Beitrag mit dem Titel “Workplace Information Literacy in the Scientific Field : an Empirical Analysis Using the Semantic Differential Approach” kann als Einleitung gelesen werden.

Es ist interessant, dass die Dissertation damit nicht aus dem Bibliotheksbereich stammt. Die Arbeit behandelt die Informationskompetenz in Unternehmen, was bisher von Bibliotheken sicher zu wenig in den Blick genommen wurde, obwohl z.B. Universitäten und damit deren Bibliotheken zukünftige Mitarbeitende in Unternehmen ausbilden. Die Einführung stellt einen guten Überblick zum Stand der Forschung von Informationskompetenz allgemein dar und entwickelt ein Modell zur “Scientific Workplace Information Literacy”. Den Abschluss der recht komplexen Untersuchungen bilden Vorschläge zur Förderung von Informationskompetenz in Unternehmen.

Ein weiteres interessantes Buch zum Thema “Workplace information literacy”, dass mir vor kurzem unter gekommen ist, ist “Managing information and knowledge in organizations : a literacy approach / Alistair Mutch. New York, NY: Routledge, 2008.

Informationskompetenz hat für mich von jeher einen starken Hang zum ja auch eher unternehmensorientierten Thema Wissensmanagement, hier aber besonders zum persönlichen Wissensmanagement, vgl. z.B. das hier schon erwähnte Buch “Wissenswege : Methoden für das persönliche Wissensmanagement / Gabi Reinmann; Martin J. Eppler. Bern : Huber, 2008″.

Nachdenken über Lernen, Information und Kompetenzen

Sonntag, 16. August 2009

Hier drei weitere, sehr unterschiedliche Papiere, die beim Nachdenken über Lernen, Information und Kompetenzen weiterhelfen können.

BTW: Die Erfurter Vorträge zur Informationskompetenz im weitesten Sinne sind schon lange online.

Neue Technologien im Bildungswesen und die Notwendigkeit von Informationskompetenz-Aktivitäten

Dienstag, 14. Juli 2009

Zwei interessante Berichte zum Bildungswesen und über Studierende sind nun verfügbar.

In netbib hat Anne Christensen schon auf den neuen Horizon-Report, der nun aufgrund der Unterstützung des Mulitmedia-Kontors Hamburg auch in deutscher Sprache erhältlich ist, hingewiesen und das Wichtigste zusammengefasst.

Der Report beschreibt “Schlüsseltrends” und “Neue Herausforderungen” im Bildungswesen und ist damit auch für Bibliotheken besonders interessant. Und natürlich ist Informationskompetenz ein Thema. Hier folgen einige Zitate:

Die heutigen Lernenden wollen aktive Teilnehmer im Lernprozess sein – nicht bloße Zuhörer; sie haben ein Bedürfnis, ihre Umgebungen zu kontrollieren, und sie sind daran gewähnt freien Zugang zur überwätigenden Menge von Content und Wissen zu haben, die für sie greifbar ist.

Es gibt einen wachsenden Bedarf für formalen Unterricht in neuen Schlüsselqualifikationen, einschließlich Information Literacy, Visual Literacy und Technological Literacy. Zum wissenschaftlichen Schreiben und Forschen benötigt man heute andere Fähigkeiten als noch vor einigen Jahren. Studierende müssen technologisch versiert sein, um mit ihresgleichen weltweit zusammenzuarbeiten, um sich in Grundlagen der Erstellung von Content und Medien auszukennen und um das Verhältnis zwischen offensichtlicher Funktion und zugrundeliegendem Code der Anwendungen, die sie täglich nutzen, zu verstehen.

Visualisierungstools machen Informationen aussagekräftiger und Erkenntnisse intuitiver. Während laufend Tools dieser Art entwickelt und genutzt werden, wird Visual Literacy eine zunehmend wichtige Fähigkeit zum Entschlüsseln, Verschlüsseln und Ermitteln der Glaubwürdigkeit und Authentizität von Daten. Visual Literacy muss formal unterrichtet werden, aber es handelt sich dabei immer noch um ein sich weiterentwickelndes Gebiet.

Das Centre for Research-informed Teaching (CRiT) an der University of Central Lancashire hat einen Bericht auf der Website vom britischen Joint Information Systems Committee (JISC) mit dem Titel “Students’ Use of Research Content in Teaching and Learning” veröffentlicht, der wieder einmal die Notwendigkeit von Informationskompetenz-Aktivitäten unterstreicht und auch für kontroverse Diskussionen sorgen wird. Interessanterweise werden Bibliotheks-Ressourcen in diesem Bericht als wichtiger Anlaufpunkt für Studierende genannt, gleichzeitig sind diese unzufrieden mit den Bibliotheken. Auch wird die Nutzung von Web 2.0-Diensten von Studierenden durch diesen Report relativiert.

Die Studie enthält Bekanntes wie

Students find too much information and do not know how to manage it effectively.
Students expect research content to be immediately accessible, ideally online, and will not pursue other methods of accessing it.
Students are increasingly reliant on Google products.

, aber vielleicht auch Überraschendes wie

Students at all universities expressed dissatisfaction with their library holdings and level of service. [...]

There is limited evidence of students using social networking and other Web 2.0 technologies to identify and access research. [...]

The ‘digital native’ appears to be, typically, a passive user of internet technologies without the high-end skills sometimes attributed to them.

Zur zukünftigen Rolle von Bibliotheken

Mittwoch, 08. Juli 2009

In der online zugänglichen Festschrift “Bibliotheken gestalten Zukunft: Kooperative Wege zur Digitalen Bibliothek. Dr. Friedrich Geißelmann zum 65. Geburtstag / Hutzler, Evelinde und Schröder, Albert und Schweikl, Gabriele, eds. (Göttingen: Universiätsverlag Göttingen, 2008)” fand ich zwei Beiträge besonders interessant.

Christian Wolff weist in seinem Text “Veränderte Arbeits- und Publikationsformen in der Wissenschaft und die Rolle der Bibliotheken” (S. 157ff) u.a. auf neue und zusätzliche Aufgaben von Bibliotheken “im Bereich des personal information management” hin.

Steffen Wawra nennt in seinem Beitrag “In Librariers We trust” (S. 173ff) vier “Thesen für eine Digitale Bibliothek der Zukunft”, von denen ich drei hier zitiere:

These 2: Nicht die Informationsexplosion ist das Hauptproblem, vor dem die Digitale Bibliothek der Zukunft steht: die Digitale Bibliothek der Zukunft muss den kontextualen Suchraum des Nutzers über das Angebot von Systemen des Wissensmanagements und Web 2.0/3.0-Diensten unterstützen.

These 3: Die Digitale Bibliothek der Zukunft wird über neue Führungsstrukturen verwirklicht: nur flexible Führungsmethoden werden in der Lage sein, in Bezug auf veränderte Rahmenbedingungen proaktiv zu agieren und Pfadabhängigkeiten aufzugeben. Auch in der Digitalen Bibliothek der Zukunft wird die Ressource Mensch die entscheidende Wettbewerbs-Ressource darstellen.

These 4: Der Kultur-Code der Digitalen Bibliothek der Zukunft lautet ‘Nachhaltigkeit’, sie ist im Kern weder amerikanisch, noch europäisch, sondern global. Die Digitale Bibliothek der Zukunft führt keinen Kampf der Kulturen, sondern bedient die Elemente ‘Vertrauen in die Langfristigkeit’, ‘Vertrauen in die Bewahrung des Kulturgutes der Menschheit’, ‘Vertrauen in die Kontextualit’.

Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur

Donnerstag, 02. Juli 2009

Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur. Medienbildung für die Persönlichkeitsentwicklung, für die gesellschaftliche Teilhabe und für die Entwicklung von Ausbildungs- und Erwerbsfähigkeit” heisst der Bericht einer Expertenkommmission des BMBF zur Medienbildung (Pressemitteilung), auf den Gabi Reinmann schon vor längerer Zeit in ihrem Blog hingewiesen hat und den Luzian Weisel in der Zeitschrift “Information – Wissenschaft & Praxis” (60 (2009) S.243) kommentiert.

Informationskompetenz wird hier als Teil der Medienbildung aufgefasst, der ihrerseits vier Themenfelder zugeordnet werden: 1. Information und Wissen, 2. Kommunikation und Kooperation, 3. Identitätssuche und Orientierung und 4. Digitale Wirklichkeiten und produktives Handeln. Natürlich lässt sich hier über das Verhältnis von Medien- und Informationskompetenz (welche impliziert welche bzw. welche ist der anderen untergeordnet) diskutieren, aber mir gefällt an diesem Papier die Betonung der engen Verbindung von Information und Medien mit Bildung und Kultur.

Zum Thema Bildung findet sich in Gabi Reinmanns Blog ein Hinweis auf einen schönen Text von Peter Bieri, der mir vor Jahren schon mal im Zeit-Magazin aufgefallen ist.

Life konnte ich übrigens Gabi Reinmann vor gut drei Wochen in Hamburg bei ihrem Vortrag über “Forschendes Lernen und wissenschaftliches Prüfen: Die potenzielle und faktische Rolle der digitalen Medien” erleben.

Mash-Ups und Urheberrecht

Montag, 18. Mai 2009

Passend zu den weiter laufenden aktuellen Diskussionen zum Urheberrecht (via TUBHH Blog) noch ein schöner Beitrag von Christian Kortmann in der Zeit Nr. 18 vom 23.4.2009, der auch das Thema Kreativität und Kombinatorik trifft.

Für Verfechter des Urheberrechts ein Trend des Grauens
Die Mash-up-Kultur fordert das traditionelle Verständnis des Urheberrechts heraus. Fair Use, das erweiterte Zitatrecht der amerikanischen Rechtsprechung, das nichtautorisierte Parodien ausdrücklich erlaubt, ist eine Mindestbedingung für die neue Praxis. Man kann heute nichts mehr erschaffen, so argumentieren Remixkünstler mit postmoderner Konsequenz, ohne Geschaffenes zu zitieren: Um in der digitalen Mediengesellschaft kreativ zu sein, muss man alles Bestehende miteinander kombinieren dürfen.

Vergleiche auch: Creative Combinatorics as a foundation of creativity, information organisation and art!

Kombinatorik, Kreativität und Informationskompetenz

Freitag, 01. Mai 2009

Auf dieses Essay, das auch als Podcast zur Verfügung steht und im TUBHH-Blog erwähnt wurde, ist hier noch nicht hingewiesen worden:

Kombinatorisches und Kreatives zum Verhältnis von Mathematik und Bibliothek

Ausgehend von einer Aussage des Chemikers Wilhelm Ostwald zur Kombinatorik als Komponente von Kreativität wird in diesem Essay durch Zitate aus der “Bibliothek von Babel” von Jorge Luis Borges der Zusammenhang zwischen Bibliothek und Kombinatorik und damit Mathematik illustriert. Abschliessend wird das Verhältnis von Kombinatorik und Kreativität im Rahmen von modernen Ideen eines alternativen Umgangs mit dem Urheberrecht (Creative Commons) thematisiert: Die “Bibliothek von Babel”, die alle Werke enthält, die aus der Kombination von allen möglichen Zeichen kombinatorisch konstruiert werden können, ist Teil einer Welt, in der kein Plagiat möglich ist bzw. alle Werke Plagiate sind.

Gegen Ende des Beitrages taucht auch rein zufällig 8-) das Thema Informationskompetenz auf! Das Thema scheint auch wissenschaftlich durchaus aktuell zu sein. So ist in einem gerade erschienenen eBook des Springer-Verlages mit dem Titel “Milieus of Creativity : an Interdisciplinary Approach to Spatiality of Creativity” unter anderem ein Aufsatz von Dean Keith Simonton zu finden mit dem Titel “Scientific Creativity as a Combinatorial Process: The Chance Baseline”.