Archiv für Oktober 2009

Inkludisten und Exkludisten beim Bibliothekskatalog

Freitag, 23. Oktober 2009

Schon vor Jahren hat mich die Frage der Zukunft des lokalen Bibliothekskataloges beschäftigt. In einer Arbeitssitzung der Benutzungsabteilung der TUHH-Bibliothek gab es vor kurzem eine spannende Diskusision zur Frage nach dem Inhalt eines lokalen Bibliothekskataloges. Anlass war die Frage, ob die TUHH-Bibliothek in ihrem Bibliothekskatalog weiterhin nur eine Auswahl der freien Zeitschriften der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) verzeichnen solle oder ob alle freien Zeitschriften aller Fachgebiete im Katalog nachgewiesen sind. Edlef Stabenau hat dabei auf eine ähnliche Diskussion im Rahmen der Wikipedia hingewiesen und hier unterschieden zwischen Inkludisten und Exkludisten. Edlef hat sich via Twitter so geäussert: “Wenn es um Kataloge geht, bin ich eher Inkludist.”

Worum geht es? Dazu hier ein Zitat aus einem Beitrag im Blog Im Himmelgrau (mehr dort!):

Die Exkludisten wollen den Wert und den Nutzen der Wikipedia steigern, indem sie auf Qualität und Ausschluss setzen. Sie wollen die Wikipedia im wahrsten Sinne zu einem exklusiven Gut machen.

Die Inkludisten wollen stattdessen durch möglichst viel Informationsfülle und Wachstum überzeugen. Masse statt Klasse, ist der Vorwurf.

Was bedeutet diese Diskussion nun für den lokalen Bibliothekskatalog?

Bei der Diskussion, die hier nur angerissen werden kann, geht es um Fragen der Relevanz und Qualität, des Umfanges der Indexierung, der Nutzer-Oberfläche von Katalogen, ja auch nach der Frage des Selbstverständnisses von Bibliotheken in der Zukunft.

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Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung

Samstag, 10. Oktober 2009

Im gerade erschienenen, umfangreichen Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung, herausgegeben von Rudolf Tippelt und Aiga von Hippel (3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden : VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009), das im Intranet der TU Hamburg-Harburg auch online zur Verfügung steht, finden sich eine Reihe an interessanten Beiträgen, u.a.:

Zum Zusammenhang zwischen Medien- und Informationskompetenz aus der Sicht des eLearning

Freitag, 09. Oktober 2009

Interessante diesbezügliche Diskussionen der eLearning-Community habe ich ausgehend von einem Beitrag in Gabi Reinmanns Blog gefunden. Ein von ihr erwähnter Bolg-Eintrag von Michael Kerres mit dem Titel "Informationskompetenz: Wer machts?", der auch auf die hier schon erwähnte Düsseldorfer Studie hinweist, schliesst mit dem Absatz:

“Informationskompetenz” ist im Rahmen der Diskussion über den künftigen Auftrag von Bibliotheken entstanden. Haben diese sich lange Zeit als Archive des Wissens verstanden, verweist der Begriff “Informationskompetenz” auf die nunmehr zusehends wichtiger werdende Aufgabe, den “Umgang” mit Wissen in Medien aktiv zu unterstützen. Die Diskussion zeigt damit auf die Frage, wie sich das Verhältniss von Lehre im Fachbereich (in der Wissenserschliessung) und anderen Maßnahmen der Kompetenzentwicklung, etwa der Bibliotheken, künftig austariert. Kann diese Aufgabe (weiterhin) im Rahmen fachbezogener Lehre (also im Umgang mit medial vermitteltem Wissen im Fachstudium) mit- gelernt werden? Und welche Rolle spielen – angesichts zunehmend komplexer werdenden Anforderungen im Umgang mit digitalen Wissensmedien – weitere “Akteure” der Kompetenzentwicklung (etwa in Hochschulen: Bibliotheken … )?

Mein Kommentar: Bibliotheken können und sollten daran mitwirken, Kompetenzen an (Hoch-) Schulen zu entwickeln, sie müssen aber aufpassen, dass ihre Aktivitäten nicht nur als Begründung für ihre eigene Legitimation missverstanden werden.

Im Rahmen der diesjährigen GMW-Tagung wurde auch der Begriff des eLearning diskutiert. Ein Beitrag im frei verfügbaren Tagungsband mit dem Titel “E-Learning 2009 Lernen im digitalen Zeitalter” enthält dazu einen inspirierenden Beitrag von Gudrun Bachmann, Antonia Bertschinger, Jan Miluška aus Basel mit dem Titel "E-Learning ade – tut Scheiden weh?" (S. 118ff), die das eLearning “abschaffen” wollen (vgl. auch die Diskussion bei Gabi Reinmann). Genauso wie im Bibliothekswesen jahrelang vom OPAC oder Online-Katalog gesprochen wurde und heutzutage eigentlich jeder Katalog online ist und daher auch die Bezeichnung Katalog ausreicht, wird heutzutage das Elektronische beim Lernen (und im Alltag) immer selbstverständlicher. Daher ist es unnötig, den Terminus eLearning noch zu verwenden. Zudem gehört und gehörte zum Lernen immer mehr als das Elektronische, ja auch Informations- und Medienkompetenz gehören natürlich dazu. 8-)

Der Tagungsband ist auch aus der Sicht von Informationskompetenz, wie auch der vom letzten Jahr, sehr interessant. So findet sich sich in dem Baseler Beitrag auf S. 126 unter der Überschrift folgender Absatz:

Neben vielen Ideen für elektronische Lehrangebote und neuen Entwicklungsprojekten entstehen aufgrund der erweiterten Auslegeordnung auch neue inner universitäre Partnerschaften und strategische Projekte. So bieten wir bei spielsweise zusammen mit der Universitätsbibliothek neu den Kurs “Informationsbeschaffung online – mehr als Wikipedia! Recherche in Bibliothekskatalogen,
Fachdatenbanken und Internet” an. Und dieses Thema hat es inzwischen bis in das höchste Gremium der Lehre der Universität Basel geschafft: die Kommission Lehre, die sich aus den Studiendekaninnen und -dekanen aller Fakultäten zusammensetzt und von der Vizerektorin Lehre präsidiert wird. Dort wurde das Thema Informationskompetenz mit Hilfe Neuer Medien als zu fördernde Kompetenz identifiziert. Ziel ist es, dafür Lehrangebote zu entwickeln und curricular zu integrieren. Erste Fakultäten haben damit bereits begonnen.

Einschlägig zum Thema Informationskompetenz auch der Beitrag von Nina Heinze und Jan-Mathis Schnurr: “Integration einer lernförderlichen Infrastruktur zur Schaffung neuer Lernkulturen im Hochschulstudium” (ab S. 152).

Information literacy (r)evolution?

Donnerstag, 08. Oktober 2009

Via Twitter hatte ich schon auf Lambert Hellers Präsentation mit dem Titel "Information literacy (r)evolution?" hingewiesen.

Lamberts Betonung von Communities of Practice für das Lernen und zu einer möglichen Rolle von in Bibliotheken Arbeitenden als “Community Technology Stewards” finde ich Klasse!

Seine beiden abschliessenden Thesen:

  • These zu unserer Rolle bei der Vermittlung von Informationskompetenz: Anerkennung bibliothekarischer Autorität kann heute entweder erzwungen werden (z.B. durch Verteilung von ECTS-Punkten), oder sie wird durch ‘Interaktion auf Augenhöhe’ erworben – Interaktion, die in einer Umgebung stattfindet, die von den Informationsbenutzern (ko-)kreiert wird.
  • These zur Strategie unserer Vermittlung von Informationskompetenz: An die Stelle der institutionellen Vermarktung von ‘IK-Produkten’ (in sich geschlossene Tutorials, Kurse etc.) tritt die individuelle Vernetzung, Adaption und kontinuierliche Interaktion mit selbst-lernenden Communities.

Zum Schluss und zum Thema Web 2.0 ein Hinweis auf meinen eigenen Beitrag "Bloggen und Twittern – ein ‘Second Life’ im Fachreferat?! Kommunikation und Marketing 2.0(09)" beim 8. AGFN-Fortbildungstreffen "Qualität zwischen Bibliothek und Fach" am 22. September 2009 in Karlsruhe.

Obama zur Informationskompetenz!

Sonntag, 04. Oktober 2009

Benno Homann hat über die Mailingliste Inetbib schon auf diesen gelungenen Coup der amerikanischen Information-Literacy-Community hingewiesen. So etwas wäre für Deutschland viel wichtiger als eine Diskussion um nationale Standards für Studierende. Hier sind wirklich alle angesprochen!

Der Präsident der Vereinigten Staaten hat den Oktober zum "National Information Literacy Awareness Month, 2009" ausgerufen. Als PDF erscheint einem diese Presseerklärung noch bedeutender! 8-)