Archiv für Juli 2009

Neue Technologien im Bildungswesen und die Notwendigkeit von Informationskompetenz-Aktivitäten

Dienstag, 14. Juli 2009

Zwei interessante Berichte zum Bildungswesen und über Studierende sind nun verfügbar.

In netbib hat Anne Christensen schon auf den neuen Horizon-Report, der nun aufgrund der Unterstützung des Mulitmedia-Kontors Hamburg auch in deutscher Sprache erhältlich ist, hingewiesen und das Wichtigste zusammengefasst.

Der Report beschreibt “Schlüsseltrends” und “Neue Herausforderungen” im Bildungswesen und ist damit auch für Bibliotheken besonders interessant. Und natürlich ist Informationskompetenz ein Thema. Hier folgen einige Zitate:

Die heutigen Lernenden wollen aktive Teilnehmer im Lernprozess sein – nicht bloße Zuhörer; sie haben ein Bedürfnis, ihre Umgebungen zu kontrollieren, und sie sind daran gewähnt freien Zugang zur überwätigenden Menge von Content und Wissen zu haben, die für sie greifbar ist.

Es gibt einen wachsenden Bedarf für formalen Unterricht in neuen Schlüsselqualifikationen, einschließlich Information Literacy, Visual Literacy und Technological Literacy. Zum wissenschaftlichen Schreiben und Forschen benötigt man heute andere Fähigkeiten als noch vor einigen Jahren. Studierende müssen technologisch versiert sein, um mit ihresgleichen weltweit zusammenzuarbeiten, um sich in Grundlagen der Erstellung von Content und Medien auszukennen und um das Verhältnis zwischen offensichtlicher Funktion und zugrundeliegendem Code der Anwendungen, die sie täglich nutzen, zu verstehen.

Visualisierungstools machen Informationen aussagekräftiger und Erkenntnisse intuitiver. Während laufend Tools dieser Art entwickelt und genutzt werden, wird Visual Literacy eine zunehmend wichtige Fähigkeit zum Entschlüsseln, Verschlüsseln und Ermitteln der Glaubwürdigkeit und Authentizität von Daten. Visual Literacy muss formal unterrichtet werden, aber es handelt sich dabei immer noch um ein sich weiterentwickelndes Gebiet.

Das Centre for Research-informed Teaching (CRiT) an der University of Central Lancashire hat einen Bericht auf der Website vom britischen Joint Information Systems Committee (JISC) mit dem Titel “Students’ Use of Research Content in Teaching and Learning” veröffentlicht, der wieder einmal die Notwendigkeit von Informationskompetenz-Aktivitäten unterstreicht und auch für kontroverse Diskussionen sorgen wird. Interessanterweise werden Bibliotheks-Ressourcen in diesem Bericht als wichtiger Anlaufpunkt für Studierende genannt, gleichzeitig sind diese unzufrieden mit den Bibliotheken. Auch wird die Nutzung von Web 2.0-Diensten von Studierenden durch diesen Report relativiert.

Die Studie enthält Bekanntes wie

Students find too much information and do not know how to manage it effectively.
Students expect research content to be immediately accessible, ideally online, and will not pursue other methods of accessing it.
Students are increasingly reliant on Google products.

, aber vielleicht auch Überraschendes wie

Students at all universities expressed dissatisfaction with their library holdings and level of service. [...]

There is limited evidence of students using social networking and other Web 2.0 technologies to identify and access research. [...]

The ‘digital native’ appears to be, typically, a passive user of internet technologies without the high-end skills sometimes attributed to them.

Zur zukünftigen Rolle von Bibliotheken

Mittwoch, 08. Juli 2009

In der online zugänglichen Festschrift “Bibliotheken gestalten Zukunft: Kooperative Wege zur Digitalen Bibliothek. Dr. Friedrich Geißelmann zum 65. Geburtstag / Hutzler, Evelinde und Schröder, Albert und Schweikl, Gabriele, eds. (Göttingen: Universiätsverlag Göttingen, 2008)” fand ich zwei Beiträge besonders interessant.

Christian Wolff weist in seinem Text “Veränderte Arbeits- und Publikationsformen in der Wissenschaft und die Rolle der Bibliotheken” (S. 157ff) u.a. auf neue und zusätzliche Aufgaben von Bibliotheken “im Bereich des personal information management” hin.

Steffen Wawra nennt in seinem Beitrag “In Librariers We trust” (S. 173ff) vier “Thesen für eine Digitale Bibliothek der Zukunft”, von denen ich drei hier zitiere:

These 2: Nicht die Informationsexplosion ist das Hauptproblem, vor dem die Digitale Bibliothek der Zukunft steht: die Digitale Bibliothek der Zukunft muss den kontextualen Suchraum des Nutzers über das Angebot von Systemen des Wissensmanagements und Web 2.0/3.0-Diensten unterstützen.

These 3: Die Digitale Bibliothek der Zukunft wird über neue Führungsstrukturen verwirklicht: nur flexible Führungsmethoden werden in der Lage sein, in Bezug auf veränderte Rahmenbedingungen proaktiv zu agieren und Pfadabhängigkeiten aufzugeben. Auch in der Digitalen Bibliothek der Zukunft wird die Ressource Mensch die entscheidende Wettbewerbs-Ressource darstellen.

These 4: Der Kultur-Code der Digitalen Bibliothek der Zukunft lautet ‘Nachhaltigkeit’, sie ist im Kern weder amerikanisch, noch europäisch, sondern global. Die Digitale Bibliothek der Zukunft führt keinen Kampf der Kulturen, sondern bedient die Elemente ‘Vertrauen in die Langfristigkeit’, ‘Vertrauen in die Bewahrung des Kulturgutes der Menschheit’, ‘Vertrauen in die Kontextualit’.

Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur

Donnerstag, 02. Juli 2009

Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur. Medienbildung für die Persönlichkeitsentwicklung, für die gesellschaftliche Teilhabe und für die Entwicklung von Ausbildungs- und Erwerbsfähigkeit” heisst der Bericht einer Expertenkommmission des BMBF zur Medienbildung (Pressemitteilung), auf den Gabi Reinmann schon vor längerer Zeit in ihrem Blog hingewiesen hat und den Luzian Weisel in der Zeitschrift “Information – Wissenschaft & Praxis” (60 (2009) S.243) kommentiert.

Informationskompetenz wird hier als Teil der Medienbildung aufgefasst, der ihrerseits vier Themenfelder zugeordnet werden: 1. Information und Wissen, 2. Kommunikation und Kooperation, 3. Identitätssuche und Orientierung und 4. Digitale Wirklichkeiten und produktives Handeln. Natürlich lässt sich hier über das Verhältnis von Medien- und Informationskompetenz (welche impliziert welche bzw. welche ist der anderen untergeordnet) diskutieren, aber mir gefällt an diesem Papier die Betonung der engen Verbindung von Information und Medien mit Bildung und Kultur.

Zum Thema Bildung findet sich in Gabi Reinmanns Blog ein Hinweis auf einen schönen Text von Peter Bieri, der mir vor Jahren schon mal im Zeit-Magazin aufgefallen ist.

Life konnte ich übrigens Gabi Reinmann vor gut drei Wochen in Hamburg bei ihrem Vortrag über “Forschendes Lernen und wissenschaftliches Prüfen: Die potenzielle und faktische Rolle der digitalen Medien” erleben.