Archiv für März 2009

Informationskompetenz-Förderung in der Grundschule

Mittwoch, 25. März 2009

Eine schöne Flash-Anwendung (hat bei mir nur im Internet Explorer funktioniert) für die Grundschule: Das Inforadar mit Tech Pi & Mali Bu vom Margret Datz (Pressemitteilung IDW).

In den didaktischen Begleit-Informationen heisst es:

Die Tech Pi und Mali Bu-Episode “Das Inforadar” regt dazu an, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass eine Auswahl nötig ist, um richtige und falsche, brauchbare und unbrauchbare Aussagen zu einem bestimmten Thema zu unterscheiden.

Was machen Fachreferenten eigentlich?

Mittwoch, 25. März 2009

Zu dieser Frage habe ich ja schon mal etwas geschrieben. Ein (wohl nicht wirklich ernst gemeinter) Kommentar zum Netbib-Eintrag über den “twitternden” Fachreferenten-Kollegen in Hannover bzgl. Mehraufwand und Tätigkeiten von Fachreferenten hat mich an die 10 Jahre zurückliegende Diskussion zu den Tätigkeiten von Fachreferenten erinnert.

Eine schöne Zusammenfassung der damaligen Diskussion bietet Björn Bosserhoff im Bibliothekdienst: Wissenschaftlicher Bibliothekar – Berufsstand in der Legitimationskrise? Ein Rückblick auf die Debatte von 1998, der gleich am Anfang ein Statement von Georg Leyh aus dem Jahre 1952 zitiert:

"Der Bibliothekar ist Verwaltungsbeamter, ohne auf gelehrte Haltung und Betätigung verzichten zu dürfen. Ein Spannungsverhältnis zwischen Verwaltungsaufgaben und wissenschaftlicher Arbeit ist von vornherein gegeben. Das eigentliche bibliothekarische Problem besteht darin, die beiden Accente richtig zu verteilen und harmonisch auszugleichen."

Auch Wolfgang Schmitz’ Vortrag “Wie ein bibliothecarius beschaffen seyn müsse”. Betrachtungen zur Entwicklung des bibliothekarischen Berufsbildes im 20. Jahrhundert” auf dem Symposium "Von den Preußischen Instruktionen zu eScience" im Institut für Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln am 29. Januar 2009 enthält am Schluss dieses Zitat!

Daraus folgt: Der Fachreferent ist ein Twitter, äh Zwitter zwischen Bibliothek als Institution und Fachwissenschaft als Gemeinschaft! 8-)

Informationskompetenz in Europa und international

Montag, 23. März 2009

Sheila Webber hat schon auf das neue Buch aus Italien hingewiesen:

Basili, C. (Ed.) (2008), Information Literacy at the cross-road of Education and Information Policies in Europe. Rome: CNR.

Ein schöner Blick über die Grenzen mit Beiträgen zur Situtation von Informationskompetenz-Aktivitäten aus Ländern, von denen man selten etwas auf Englisch liest: Frankreich, Italien, Polen, Rumänien, Spanien u.a. Aus deutscher Sicht schreiben Annemarie Nilges (Joined Planning and Development – Customized Solutioin : the North-Rhine-Westphalian Network on Information literacy) und Thomas Hapke (Information literacy activities in Germany between the Bologna process and the web 2.0).

Ein ähnlicher Titel mit Beiträgen aus Ländern, deren Beiträge selten auf Englisch publiziert werden und der damit hilft, die Sprach-Barriere zu überwinden: Jesus Lau (Ed.) (2008), Information literacy: international perspectives. München: Saur.

ePortfolios, Informationskompetenz und das Web 2.0

Freitag, 20. März 2009

Auf den Zusammenhang zwischen ePortfolios und Informationskompetenz hatte ich ja schon mal an anderer Stelle hingewiesen. Das folgende Zitat zu E-Portfolios von EIfEL (European Institute for eLearning) verdeutlicht dies nochmal:

“In the context of a knowledge society, where being information literate is critical, the portfolio can provide an opportunity to demonstrate one’s ability to collect, organise, interpret and reflect on documents and sources of information.”

Im Rahmen des durch Hamburger Sondermittel geförderten Projektes der TU Hamburg-Harburg mit dem Namen “StudIPort 2.0″, an dem auch die TUHH-Bibliothek beteiligt ist, soll u.a. die bestehende Lernumgebung Stud.IP um ePortfolios erweitert werden. ePortfolios sind so etwas wie ‘digitale Sammelmappen’ für Ergebnisse des eigenen Lernens und können zugleich als aussagekräftige Bewerbungsmappe während der Jobsuche dienen. ePortfolios dienen der Reflexion über das eigene Lernen, z.B. auch im Rahmen eines Lerntagebuches (oft auch Studientagebuch oder Lernjournal genannt).

Da ja dieses Weblog so etwas wie mein eigenes Lerntagebuch darstellt, können Lerntagebücher sicher auch über Weblogs realisiert werden. Mit Komponenten des Web 2.0 sind solche Lerntagebücher sehr einfach zu realisieren. Ich habe mal auf Wordpress.com ein Weblog als Prototyp für ein Lerntagebuch aufgebaut, das ja auch ein Teil eines ePortfolios sein kann. Die Struktur der Blog-Kategorien, die einzelne Kompetenz- und Erfahrungsbereiche des Lernens darstellen, kann zusammen mit den bisherigen Inhalten durch einfache Nutzung der Export/Import-Funktion von Wordpress in eine eigenes Weblog zu übertragen. Daher auch der Name portabel4tuhh für diesen Prototyp.

Dazu kommt als zweites die Idee, alternativ statt eines Blogs das Modul Wissensorganisation des Literaturverwaltungsprogramms Citavi, das an der TUHH, aber auch allgemein in einer kostenfreien, leicht eingeschränkten Version zur Verfügung steht, als Lerntagebuch zu nutzen. Auch hierfür werden Dateien zum Download angeboten.

Damit stellt portable4tuhh insgesamt gleichzeitig eine Motivation und Anleitung dar, sich selbst einen Blog anzulegen bzw. das Literaturverwaltungsprogramm Citavi zu nutzen! Auch mit Netvibes ist die Realisierung einer einfachen Low-Cost-Lösung für ePortfolios möglich.

Sicher ist die Nutzung eines Lerntagebuches im Umfeld von Natur- und Ingenieurwissenschaften kaum zu erwarten und das Ganze ist noch nicht wirklich ausgegoren, kann aber vielleicht als Anregung auch für andere Interessenten an ePortfolios dienen!

Informationskompetenz und Wissensmanagement

Donnerstag, 05. März 2009

Recherchiert man zum Begriff “Informationskultur” tauchen als Ergebnis der Recherche Items auf, die die Informationskultur in Unternehmen betrachten. Hier kommt dann also die Problematik von Informationskompetenz im beruflichen Alltag in den Blick, die vor Jahren im deutschsprachigen Bereich schon durch Beiträge von Marianne Ingold thematisert wurde. Eng ist die Beziehung hier auch zum Wissensmanagement. Auf das Thema “Persönliches Wissensmanagement” wurde hier ja auch schon verwiesen.

Nun ist mir gerade zu diesem ganzen Themenkomplex ein Aufsatz untergekommen, der viel Kritisches, was das Thema “information literacy” angeht, aufgreift:

Ruben Toledano O’Farrill : Information Literacy and Knowledge Management: Preparations for an Arranged Marriage. Libri 58 (2008) 155-171. (Ist wohl im Rahmen der Nationallizenz in Deutschland verfügbar!)

Ich habe lange keinen Artikel mehr gelesen, der aus meiner Sicht die Sache so trifft. Wenn ich von dem, was ich denke, etwas aufgeschrieben hätte, wäre wahrscheinlich ein Artikel mit ähnlicher Zielrichtung herausgekommen, aber sicher nie so fundiert, belegt und reflektiert. 8-)

Der Artikel behandelt das Verhältnis von Lernen, information literacy und literacy, wobei der Autor “literacy” so definiert:

A definition of literacy based on the above discussion is therefore: ‘The progressive development of competences for becoming aware of, accessing, critically interpreting and effectively using a variety of languages, codes, semiotic resources and technological affordances as tools for learning, communication, and sense-making in situated social practices.’

Und er schlägt vor:

One way of thinking about the effects of this proposal is to question whether any existing definition or conception of information literacy would radically change if the word ‘information’ was taken out. For example, [...] Can we define literacy as ‘appropriate information behaviour’ (Webber & Johnston 2005)? Can we think of workplace literacy rather than of workplace information literacy? If we answer ‘yes’ to these questions, we are agreeing that information literacy is just an aspect of literacy, or rather, that literacy means engaging with information in all of its modalities.

Schade, dass es im Deutschen keine wirkliche Übersetzung von “literacy” gibt.

Standards wie ACRL, SCONUL und ANZIL wurden für den Autor entwickelt “on a belief of high individual agency, based on a view of learning that is rooted in strong indivdualism”. Lernen für den Autor ist nicht, nur die richtigen Informationen zu finden, sondern “a way of being in the world, not just of coming to know about it.”

In contrast with learning as only implying internalization, learning as participative practice in communities concerns the whole person acting in the world, and implies a relational view of persons, their perceptions, their actions, and the world. Individuals, communities and technologies are players in a broader context of culture and social organization.

Paul Otlet als Vorläufer von Vannevar Bush

Dienstag, 03. März 2009

Darauf weist dieser schöne Blog-Beitrag von Edward Vanhoutte hin. Danke an Boyd Rayward für den Hinweis!

The choice for separate cards allowed for indefinite addition, continuous interfiling, repetitive manipulation and classification, and direct utilisation. This, he called the Monographic Principle.

Vorläufer dieses Monographieprinzips bei Otlet waren aber auch Formulierungen bei Karl Wilhelm Bührer und Wilhelm Ostwald, die 1911 “Die Brücke” gründeten und die beide mit Otlet Kontakt hatten:

So hatte z.B. Bührer schon früh auf die Nutzung von Karteikarten im Geschäftsleben aber auch zur Erleichterung des wissenschaftlichen Arbeitens hingewiesen und dabei so etwas wie das Monographieprinzip formuliert. Für ihn diente

[j]edes Blatt [...] ganz konsequent [Hervorhebung im Original] nur für eine Notiz, welche oben rechts durch Anbringung eines Titels sofort rubriziert wird [...] Gelehrten ist dieses Zettelsystem zum Sammeln und Ordnen ihrer Exzerpte ganz besonders zu empfehlen.

(Quelle: Karl W. Bührer, Ueber Zettelnotizbücher und Zettelkatalog, in: Fernschau 4 (1890) S. 190-192. Vgl. auch Thomas Hapke: Roots of mediating information : aspects of the German information movement. In: W. Boyd Rayward (Hrsg.), European Modernism and the Information Society. Informing the Present, Understanding the Past. Aldershot: Ashgate, 2008. pp. 307-327.)

Neues aus Augsburg

Montag, 02. März 2009

Die Informationskompetenz-Initiative an der Universität Augsburg, die ja nicht in einer Bibliothek angesiedelt ist (!), wurde hier ja schon erwähnt. Unter der Überschrift “Informationskompetenz und wissenschaftliches Arbeiten” gibt es einen neuen Arbeitsbericht des Instituts für Medien- und Bildungstechnologie mit dem Untertitel “Studienergebnisse und Empfehlungen zur wissenschaftlichen Recherche im Hochschulstudium”. Wirklich überraschende Ergebnisse von Befragungen und Feldforschung sind für mich nicht wirklich dabei. Betont wird die deutliche Verbindung zum wissenschaftlichen Arbeiten, wenn es bei den Schlussfolgerungen heisst:

  • Hauptfokus der Probleme der Studierenden lassen sich in die Bereiche wissenschaftliche Methoden, Themeneingrenzung / Forschungsfragen und Formalia aufteilen.

Und bei den Empfehlungen heisst es:

  • Studierende bevorzugen es, ihre Kommilitonen bei Fragen zum wissenschaftlichen Arbeiten heranzuziehen. Peer-Learning stellt deshalb eine wichtige Komponente im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens im Hochschulstudium dar. Es ist daher sinnvoll, studentische Tutoren als festen Bestandteil des Beratungsangebots für Studierende bereit zu stellen.

An der TUHH gibt diesbezüglich ein ein sehr erfolgreiches Projekt der Studienberatung “StartING@TUHH – Tutorien zum selbstorganisierten Studieren und Lernen für das erste Studienjahr“, in dem ältere Studierende als Lernberater wirken. Diese Tutoren erwerben hier wirklich Schlüsselkompetenzen. Ich hatte schon Gelegenheit im Rahmen des begleitenden Tutoriums für die Tutoren das Thema Informationskompetenz unter dem Motto “Beyond Google – Angebote der TUHH-Bibliothek” vorzustellen und habe selten so eine motivierte und mitmachende Gruppe erlebt!

Und hier noch ein schöner studentischer Aufsatz aus Augsburg:

Perlova, Julija (2009). Ein Muss für das 21. Jahrhundert. Informationskompetenz als Schlüsselqualifikation für das Informationszeitalter. w.e.b.Square. 01/2009. URL: http://websquare.imb-uni-augsburg.de/2009-01/4