Noch mehr Online-Tutorials zu Informationskompetenz

Die Universitätsbibliothek Konstanz bietet freien Zugang zu E-Learning-Tutorials zur Informationskompetenz über die Lernplattform ILIAS. Für mich neu war nun eine englischsprachige Version des ja schon bekannten deutschen Tutorials für Anfänger: „Information Literacy English free access version for beginners“. Auch eine Version für Fortgeschrittene ist im Angebot: „KOPILOT : English tutorial for advanced and doctoral students, PostDocs…“

Letzteres nutzt anscheinend Inhalte des Tutorials des auf der Konferenz KWIL 2007 von Debbi Boden vorgestellten Tutorials PILOT des Imperial College London, das unter Blackboard (früher: WebCT) angeboten wird. Wer reinschauen will, findet die Login-Daten in der Präsentation von Debbi Boden auf der KWIL.

Wie gesagt, ob Studierende, gar Fortgeschrittene, solche Tutorials wirklich nutzen, ist für mich nach den bisherigen Erfahrungen mit DISCUS fraglich.

Studentisches über Informationskompetenz für Studierende und darüber hinaus

Die neue Ausgabe von w.e.b.Square, der wissenschaftlichen Onlinezeitschrift des Instituts für Medien und Bildungstechnologie (imb) der Universität Augsburg, kreist um das Thema „Jedem das Seine: Der Siegeszug von Social Software und Web 2.0“. Diese Zeitschrift ist eine Zeitschrift von Studierenden für Studierende, aber natürlich auch darüber hinaus. Vergleiche auch die Meldung bei IDW online!

Am interessantesten sind für mich folgende Beiträge:

  • Die Bachelor-Arbeit von Julia Fink mit dem Titel „Informationskompetenz bei der Suche nach wissenschaftlichen Quellen : Eine empirische Studie unter Studierenden der Universität Augsburg“

    Information ist eine der wichtigsten Ressourcen des 21. Jahrhunderts. Die selbständige, bewusste und kritische Nutzung von Informationen ist für heutige Studierende äßerst bedeutsam. Sowohl in Wissenschaft und Wirtschaft als auch im Alltag ist ein routinierter Umgang mit Software, dem Internet und die Fähigkeit zu selbstorganisiertem Lernen unumgänglich. Eine Grundvoraussetzung dafür ist es, Informationen effizient und effektiv nutzen zu können. Denn was nutzen Informationen, wenn man nicht dazu in der Lage ist, die brauchbaren von den unbrauchbaren zu trennen? Die vorliegende Bachelorarbeit von Julia Fink gibt einen Überblick über verschiedene Modelle zur Informationskompetenz (Information Literacy) und stellt dar, welche Bedeutung sie im Kontext Hochschule, aber auch für Lebenslanges Lernen und die Bewältigung des Alltags hat. Um mögliche Defizite bzw. studiengang- und semesterspezifische Differenzen bei der Recherche nach wissenschaftlicher Literatur (sei sie elektronisch oder nicht-elektronisch) aufzudecken, wurden Studierende der Universität Augsburg zu ihrem Umgang mit Informationen befragt.

  • Die Master-Arbeit von Tamara Bianco mit dem Titel „Bloggen – Pflichtübung oder Passion? Eine empirische Untersuchung von Knowledge Blogs als Tool des persönlichen Wissensmanagements vor dem Hintergrund der Selbstbestimmungstheorie“

    Wer sich mit dem Web 2.0 beschäftigt, kommt nicht umhin, sich mit den so genannten Weblogs auseinander zu setzen. Weblogs werden gemeinhin als Tagebücher verstanden, in denen der Autor seinen Alltag verarbeitet. In der vorliegenden Masterarbeit wird der Fokus auf „Knowledge Blogs“ – Weblogs von Wissensarbeitern – gelegt. Die Arbeit knüpft dabei an den Arbeitsbericht an, der in Zusammenarbeit mit Gabi Reinmann verfasst wurde und der Knowledge Blogs mit der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan in Bezug setzt. Die theoretische Perspektive des Arbeitsberichts wird dabei um eine eigene empirische Studie, exemplarisch durchgeführt mit und an Wissenschaftlern, erweitert. Dabei gilt es herauszufinden, wie das Selbstverständnis des Bloggens bei Personen aus dem Wissenschaftsbetrieb ist, wenn es heißt: Bloggen – Pflichtübung oder Passion?

Aber auch manche Aufsätze der älteren Ausgaben im Archiv erscheinen mir sehr interessant!

Französisches zur Informationskompetenz

Es ist schade, dass mein Französisch nicht so gut ist, dass ich Publikationen im Bibliotheks- und Informationsbereich aus Frankreich so schnell auf- und wahrnehmen kann, wie es im englisch-sprachigen Bereich in der Regel gelingt. Aus Bequemlichkeit kann man so die reiche Fachkultur hinter der Sprach-Barriere, im französisch- und auch spanisch-sprachigen Bereich, nur sehr selten wahrnehmen.

Ein Beispiel in diesem Eintrag sei der Weblog von Olivier Le Deuff mit dem Titel „Le guide des egares. Information literacy, documentation, CDI, Internet, Pedagogie, culture de l’information, sciences de l’information et de la communication“.

Olivier hat einen Aufsatz geschrieben mit dem Titel „La culture de l’information : Quelles litteraties pour quelles conceptions de l’information?„, in dem die Problematik der Übersetzung des Begriffe „Information literacy“ auch ins Französische behandelt wird.

The aim of this study is to show the convergences and divergences for the concept of information literacy and the other various literacies. We try to explore the multiple translations and significations of literacy and information literacy. Three conceptions of Information Literacy coexist with some divergences.

Schön finde ich auch den Terminus „La culture de l’information“, denn Informationskultur ist genau das, was jetzt und zukünftig benötigt wird. Ein aktueller Blog-Eintrag bei Olivier geht mit seinen Hinweisen genau auf dieses Thema ein.

Learning and information literacy tutorials

Im Frühjahr 2008 fand an der Aalborg University Library eine internationale Konferenz mit dem Titel „Learning, Innovation and the Use of Information“ statt, auf der ich gerne dabeigewesen wäre. Die Präsentationen dieser Konferenz und die begleitenden Papiere sind ein genaueres Studium wert.

In einem der letzteren befindet sich folgende Beschreibung von Informationskompetenz:

We perceive information literacy as the ability to evaluate, select and/or act in a situation where you need to find or use that which makes a difference in solving an information problem. Information literacy is the individual’s ability to move between levels of action and reflection (meta-level) in the understanding and handling of his/her information need, and the ability to use the result in the process that lies ahead. What one person considers being information may not necessarily be information in the eyes of somebody else i.e. information is interpreted data. Whatever meaning is being created eventually depends on the individual’s construction of knowledge.

Basierend u.a. auf den Forschungen von Carol C. Kuhlthau und Jannica Heinstroem wurde in Aalborg ein Tutorial entwickelt, das den Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens und Lernens mit narrativen Hilfsmitteln bewusst macht [Zugefügt 16.2.2009: Link zum Tutorial SWIM]. Nutzende des Tutorials müssen im Rahmen einer Handlung Entscheidungen treffen, die dann das weitere Geschehen beeinflussen. Sie sind also Teilnehmende des „Films“. Damit ähnelt der Ansatz dem Konzept des Lerntheaters, das mein Kollege Detlev Bieler im Modul Publizieren des Tutorials VISION (VIrtual Services for Information ONline) der TUHH-Bibliothek verwirklicht hat.

Problem all dieser Angebote ist für mich, dass Studierende sich dafür explizit Zeit nehmen müssen und solche Angebote damit nur diejenigen nutzen, die eh schon sensibel für das Thema Informationskompetenz sind. Eine Integration dieser Tutorials in normale Pflicht-Lehrveranstaltungen könnte hier vielleicht helfen, aber nur dann, wenn dies dort Teil einer wirklichen Projekt-Aufgabe ist.

Zu einem weiteren Tutorial ist gerade in der Online-Zeitschrift „Issues in Science and Technology Librarianship“ (Fall 2008) ein Aufsatz mit dem Titel „An Undergraduate Science Information Literacy Tutorial in a Web 2.0 World“ veröffentlicht worden. Das Tutorial selbst ist inhaltlich sehr interessant für eine technische Universität. Es besteht allerdings „nur“ aus leicht animierten Texten.

Informationskompetenz und Standards

Anfang November fand in Köln ein Workshop zum Thema „Informationskompetenz – Nationale Standards“ statt, von dem die Präsentationen auf den Webseiten des HBZ nun online sind.

Nicht zufällig kommt meiner eigenen Position zu Standards der Beitrag von Anne May am nächsten, die u.a. von den Aktivitäten des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) berichtet hat. Ich würde jedenfalls die Bedeutung von Standards nicht überbewerten.

Ein australischer Kollege hat „information literacy“ mal eher als „learning and research skills“ bezeichnet. Dies ist für mich ein Kernpunkt, dass Informationskompetenz ganz eng mit dem Lernen verknüpft ist! Sie hat eine methodische Komponente (dies ist das Gebiet, was bisher hauptsächlich von Bibliotheken beackert wird), eine Reflektions-Komponente (im Sinne des englischen „critical thinking“) und eine dritte, eher inhaltliche Komponente, die man so bezeichnen kann: „Informationskompetenz 2.0 umfasst mehr als Lernen mit Information, es ist verstärkt Lernen über Information“.