Archiv für die Kategorie ‘History of information systems’

Geschichten und Ereignisse – Aufsätze zum historischen Kontext der Informationswissenschaft

Donnerstag, 10. Dezember 2009

In der neuen Ausgabe (Vol.36, No. 2) vom Bulletin of the American Society for Information Science and Technology finden sich vier interessante Beiträge zum historischen Kontext der Informationswissenschaft:

  • Narratives, Facts and Events in the Foundations of Information Science by Michael Buckland
  • From Facts to Judgments: Theorizing History for Information Science by Ryan Shaw
  • Facts and Frameworks in Paul Otlet’s and Julius Otto Kaiser’s Theories of Knowledge Organization by Thomas M. Dousa
  • Events as a Structuring Device in Biographical Mark-up and Metadata by Michael Buckland and Michele Renee Ramos

Call for Papers: Das 4. einer Kolloquiums-Reihe zur Informationsgeschichte

Dienstag, 29. September 2009

Im nächsten Jahr findet im belgischen Mons das 4. Kolloquium einer Kolloquiums-Reihe zur Informationsgeschichte statt, die 2002 dort auch begonnen hatte. Der Call for Paper ist unten zitiert.

CALL FOR PAPERS

Transcending Boundaries in Europe in the Period of the Belle Epoque: Organizing Knowledge, Mobilizing Networks, and Effecting Social Change -A colloquium to be held at the Mundaneum, Mons, 20-21 May 2010

Papers for the colloquium will explore aspects of network development, information creation, organization and exchange, and related “boundary spanning” activities of individuals and institutions and the scholarly tools and techniques that this enabled them to develop during the period of the “Belle époque” in which the Western European world underwent extensive social, political and “epistemic” change from approximately 1880 to 1914.

Those interested in submitting papers for the colloquium are asked to submit an abstract of not more than 500 words by January 31, 2010. Abstracts may be in French or English and will be refereed. Authors will be notified by of the outcome of this process by February 28, 2010. Accepted papers must be delivered at the Colloquium in English.

Further information!

Analoge Räume

Freitag, 12. Juni 2009

“Analoge Räume – zur Geschichte des komplexen Verhältnisses von Information, Wissen und Raum (Analogous spaces – on the history of the complex relation between information, knowledge and space)” heisst mein Bericht von der Konferenz Analogous Spaces letztes Jahr im Mai in Ghent, der nun in der Zeitschrift ABI-Technik (29(2009)2, 102-116) erschienen ist. Interessenten schicke ich gerne einen Preprint zu.

Abstracts in Deutsch und Englisch:

Die interdisziplinäre, 2008 in Belgien stattgefundene Konferenz “Analogous spaces – architecture and the space of information, intellect and action” präsentierte einerseits Forschungsaktivitäten zur Geschichte wissenschaftlicher Information und Kommunikation und war damit auch eine Reise zu den Anfängen der frühen Informationsgesellschaft. Andererseits vermittelt sie Informationsgeschichte mit Kultur-, Architektur- und Kunstgeschichte, indem auf diverse Analogien zwischen analogen und digitalen Räumen Bezug genommen wurde. Thematischer Ausgangspunkt war der Belgier Paul Otlet als Begründer der Dokumentation um die Wende zum 20. Jahrhundert, von dessen intellektuellem Netzwerk hier in einem Exkurs auch der Chemiker und Pionier des deutschen Informationswesens Wilhelm Ostwald besonders erwähnt wird.

On the one hand the interdisciplinary conference “Analogous spaces – architecture and the space of information, intellect and action” taking place 2008 in Belgium presented research activities on the history of scholarly information and communication. With it at the same time it was a journey to the origins of the early information society. Otherwise the conference connected information history with the history of culture, architecture and art by referring various analogies between analog and digital spaces. Topical starting point was the Belgian Paul Otlet as founder of documentation around the turn of the 20th century. In an excursus the German chemist and information pioneer Wilhelm Ostwald is especially mentioned as part of the intellectual network of Otlet.

Information / Kommunikation und die Nutzung der Kernenergie

Freitag, 08. Mai 2009

Das vom Projekt DigitalPreservationEurope (DPE) erstellte Cartoon zum Thema digitale Langzeitarchivierung mit dem Titel “Digital Preservation and Nuclear Disaster: An Animation”, das über YouTube verfügbar ist, illustriert ein wichtiges Problem der Informationsgesellschaft.

Mich hat es auch an ein sehr wichtiges Problem erinnert, das bei der Diskussion um die Nutzung von Kernenergie so gut wie nie thematisiert wird, die Frage der Kommunikation und Information. Die zeitlichen Dimensionen für die Notwendigkeit, Atommüll und das dazugehörige Wissen über Art und Lagerungsort des Mülls sicher aufzubewahren, sind verglichen mit den bisherigen menschlichen Erfahrungen bei der Überlieferung menschlichen Wissens so gross, dass schon dies allein ein Grund wäre, zukünftig auf jegliche Kernenergie zu verzichten. Die Nutzung und Entsorgung von Kerntechnik umfasst also auch ein Kommunikations- und Überlieferungsproblem. Das Wissen um die Art des Mülls und dessen Aufbewahrung ist teilweise schon im Fall der Atommüll-Lagerungsstelle in der Anlage Asse nicht mehr verfügbar und dies ist erst maximal gut 40 Jahre her. Was ist an möglicherweise vorhandenen Informationen von eventuellen “gefährlichen” Anlagen aus der Zeit der ägyptischen Pharaonen heute noch vorhanden? 8-)

BTW: Bibliotheken sind übrigens immer Klima-Schützer, da CO2-Speicher! 8-)

Information in der Frühen Neuzeit

Montag, 13. April 2009

… ist der Titel eines neuen Buches zur Geschichte der Information. Im Mittelpunkt der Beiträge steht hier eher der verwaltungstechnische Umgang mit Information, wie er in Organisationen der staatlichen, kirchlichen oder gelehrten Verwaltung auftritt.

Information in der Frühen Neuzeit : Status, Bestände, Strategien / Arndt Brendecke, Markus Friedrich, Susanne Friedrich (Hrsg.). Berlin: LIT Verl., 2008

Der Band, der auch aus einer Tagung heraus entstanden ist, enthält eine interessante Definition von Information als “das, was an Repräsentationen der Welt in Hinsicht auf eine Aufgabe verfügbar ist” (S. 16), die sich auf Peter Burke (vgl. meine Rezension seines Buches “Papier und Marktgeschrei : die Geburt der Wissensgesellschaft” (2001)) bezieht. Burke hat selbst einen Beitrag zum Band geliefert. Auch für den nicht unbedingt an der frühen Neuzeit Interessierten, bietet der Band interessante Beiträge zur “Information als Kategorie historischer Forschung”, zur Begriffsentwicklung von Information in Ergänzung zu Capurros Arbeiten (vgl. auch meine Rezension zu Ott), zum frühen Phänomen der Informationsflut und anderes mehr. Der Beitrag zu frühen Suchmaschinen in Form von Adressbüros in der Habsburgermonarchie von Anton Tantner passt zum gerade erschienenen Buch “Suchmaschinen : die Welt als Datenbank” von David Gugerli (Frankfurt am Main : Suhrkamp, 2009). Gugerli beginnt seine Betrachtungen allerdings erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts!

Was machen Fachreferenten eigentlich?

Mittwoch, 25. März 2009

Zu dieser Frage habe ich ja schon mal etwas geschrieben. Ein (wohl nicht wirklich ernst gemeinter) Kommentar zum Netbib-Eintrag über den “twitternden” Fachreferenten-Kollegen in Hannover bzgl. Mehraufwand und Tätigkeiten von Fachreferenten hat mich an die 10 Jahre zurückliegende Diskussion zu den Tätigkeiten von Fachreferenten erinnert.

Eine schöne Zusammenfassung der damaligen Diskussion bietet Björn Bosserhoff im Bibliothekdienst: Wissenschaftlicher Bibliothekar – Berufsstand in der Legitimationskrise? Ein Rückblick auf die Debatte von 1998, der gleich am Anfang ein Statement von Georg Leyh aus dem Jahre 1952 zitiert:

"Der Bibliothekar ist Verwaltungsbeamter, ohne auf gelehrte Haltung und Betätigung verzichten zu dürfen. Ein Spannungsverhältnis zwischen Verwaltungsaufgaben und wissenschaftlicher Arbeit ist von vornherein gegeben. Das eigentliche bibliothekarische Problem besteht darin, die beiden Accente richtig zu verteilen und harmonisch auszugleichen."

Auch Wolfgang Schmitz’ Vortrag “Wie ein bibliothecarius beschaffen seyn müsse”. Betrachtungen zur Entwicklung des bibliothekarischen Berufsbildes im 20. Jahrhundert” auf dem Symposium "Von den Preußischen Instruktionen zu eScience" im Institut für Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln am 29. Januar 2009 enthält am Schluss dieses Zitat!

Daraus folgt: Der Fachreferent ist ein Twitter, äh Zwitter zwischen Bibliothek als Institution und Fachwissenschaft als Gemeinschaft! 8-)

Paul Otlet als Vorläufer von Vannevar Bush

Dienstag, 03. März 2009

Darauf weist dieser schöne Blog-Beitrag von Edward Vanhoutte hin. Danke an Boyd Rayward für den Hinweis!

The choice for separate cards allowed for indefinite addition, continuous interfiling, repetitive manipulation and classification, and direct utilisation. This, he called the Monographic Principle.

Vorläufer dieses Monographieprinzips bei Otlet waren aber auch Formulierungen bei Karl Wilhelm Bührer und Wilhelm Ostwald, die 1911 “Die Brücke” gründeten und die beide mit Otlet Kontakt hatten:

So hatte z.B. Bührer schon früh auf die Nutzung von Karteikarten im Geschäftsleben aber auch zur Erleichterung des wissenschaftlichen Arbeitens hingewiesen und dabei so etwas wie das Monographieprinzip formuliert. Für ihn diente

[j]edes Blatt [...] ganz konsequent [Hervorhebung im Original] nur für eine Notiz, welche oben rechts durch Anbringung eines Titels sofort rubriziert wird [...] Gelehrten ist dieses Zettelsystem zum Sammeln und Ordnen ihrer Exzerpte ganz besonders zu empfehlen.

(Quelle: Karl W. Bührer, Ueber Zettelnotizbücher und Zettelkatalog, in: Fernschau 4 (1890) S. 190-192. Vgl. auch Thomas Hapke: Roots of mediating information : aspects of the German information movement. In: W. Boyd Rayward (Hrsg.), European Modernism and the Information Society. Informing the Present, Understanding the Past. Aldershot: Ashgate, 2008. pp. 307-327.)

Booksmarks 2009

Montag, 16. Februar 2009

Letzte Woche hatte ich noch Gelegenheit mir die Ausstellung “Bookmarks 2009 – Wissenswelten von der Keilschrift bis YouTube” in der kestnergesellschaft, Hannover anzusehen.

Eine super Idee ist es, das alte Buch verbunden mit einem Blick auf Leibniz mit YouTube zu kombinieren. Leider konnten vor Ort die Bücher und Manuskripte – ebenso wie das Original der Leibniz’schen Rechenmaschine – nur wie im Schaufenster angesehen werden. Aber diesen darstellerischen Nachteil vor Ort macht die Ausstellung im Netz wieder wett: Man kann hier alle Exponante im Detail in Foto und Film (via YouTube) betrachten und selbst die parallel gehaltenen Vorträge sind multimedial online! Beispielhaft!

Wissensordnungen, Geschichten erzählen und Datenbanken

Mittwoch, 21. Januar 2009

Irgendwie hat es mir die neue Edition Unseld des Suhrkamp Verlages angetan. Nur mehr Zeit zum Lesen müsste man haben!

Bisher habe ich nur folgendes Buch mit Genuss gelesen:

Neue Wissensordnungen – Wie aus Informationen und Nachrichten kulturelles Wissen entsteht” von Olaf Breidbach. Breidbachs Differenzierung zwischen Information und Wissen und deren Einbettung in die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte trifft Vieles von dem, womit ich mich selbst beschäftige!

Auf meiner Leseliste steht noch “Komplexitäten – Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen” von Sandra Mitchell.

Und schon sind weitere spannende Bücher angekündigt:

Manche der Bücher sollten vielleicht auf Leselisten zur Förderung von Informationskompetenz stehen, denn kritisches Denken verbunden mit historisch-kultureller Reflektion gehören für mich dazu!

Wilhelm Ostwald’s long shadow

Dienstag, 20. Januar 2009

“The Origins of Chemical Literature as a Separate Discipline of Chemistry” heisst ein Beitrag von F. Bartow Culp (S. 641-646) in den Proceedings der 6th International Conference on the History of Chemistry, die 2007 in Leuven (Belgium) stattfand und das Tagungsthema “Neighbours and territories. The evolving identity of Chemistry” hatte. Abstracts zur Conference sind ebenfalls online.

Ein Teil des Textes von Bartow trägt die Überschrift dieses Blog-Eintrages.

[Zusatz 5.2.2009] Die kompletten Proceedings der Konferenz “Neighbours and territories. The evolving identity of Chemistry” sind nun verfügbar auf der Website der “Working Party on the History of Chemistry” der EuCheMS (European Association for Chemical and Molecular Sciences).