26. Juli 2010
Im ersten Halbjahr 2010 sind zwei interessante Praxis-Bücher zum Thema Informationskompetenz erschienen:
Das erste Buch ist von Bibliothekaren geschrieben und orientiert sich an den Standards für Informationskompetenz (Mittlerweile sind die deutschen Standards im Bibliotheksdienst (Heft 5, 2010, S. 373ff) quasi offiziell erschienen, vgl. auch meinen Blog-Beitrag vom Anfang des Jahres!). Inhaltlich ist das Ganze gut gemacht mit vielen interessanten Details zu 1. Informationsbedarf feststellen – Recherche vorbereiten, 2. Recherche durchführen, 3. Literatur beschaffen, 4. Informationen bewerten sowie 5. Informationen weiterverarbeiten. Beispielrecherchen und Praxisprobleme runden das Ganze ab. Alles ist ganz klassisch und bibliothekarisch gut! Der Schwerpunkt liegt eindeutig bei dem Thema Recherche!
Das zweite Buch befasst sich trotz des Titels gar nicht so sehr mit Arbeitstechniken, sondern greift viel weiter, es geht nicht nur um Recherche, so wie es im Alltag von Studierenden und Forschenden auch nicht nur um Recherche geht! Die einzelnen Kapitel des Buches, von unterschiedlichen Autoren geschrieben, behandeln Themen wie:
- Welches Thema? Was für eine Art Text? Vorschläge zum wissenschaftlichen Schreiben 2009 ff
- Recherche: Google – and Far Beyond
- Von der Quellenkritik zum kritischen Umgang mit digitalen Ressourcen
- Bildsuche – Image Retrieval
- Hypertext schreiben
- Kollaboratives Schreiben
- Copy + Paste = Plagiat?
- Schreibtools – mit Software bessere Texte schreiben
- Zitieren und Belegen
- Peer Review 2.0: Herausforderungen und Chancen der wissenschaftlichen Qualitätskontrolle im Zeitalter der Cyber-Wissenschaft
- Open Access
- Urheberrecht
- Digitale Editionstechniken
Damit berücksichtigt das Buch auch den 5. Standard zur Informationskompetenz – Informationskompetente Studierende und Forschende sind sich ihrer Verantwortung bei der Informationsnutzung und -weitergabe bewusst – der im ersten Werk nur zitiert wird. Das Ganze ist übrigens nicht nur für Geisteswissenschaftler lesenwert!
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24. Juni 2010
Auf dem BibCamp wurde ich von Adrian Pohl nach Literatur zur Geschichte der Katalogisierung und von Metadaten gefragt. Bisher habe ich leider keine Zeit gefunden, hier mal zu schauen, was dazu schon veröffentlicht wurde. Die Aktivitäten der Brücke kann man sicher dazu zählen, vgl. die Folien 25 und 26 meiner Präsentation "Information damals".
Aber auch aktuell genutzte Metadaten haben eine Geschichte, was ich an zwei Beispielen illustrieren möchte.
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11. Juni 2010
Gerade fand am Mundaneum in Mons eine Konferenz mit dem Titel "Transcending Boundaries in Europe in the Period of the Belle Epoque: Organizing Knowledge, Mobilizing Networks, and Effecting Social Change" statt, an der ich leider kurzfristig verhindert war, um daran teilzunehmen.
Nun hat Boyd Rayward die französische, vom Mundaneum herausgegebene Broschüre "Mundaneum: Archives de la connaissance", die gedruckt 2008 erschien, ins Englische übersetzt und zusätzlich bearbeitet und ergänzt. Diese Version steht unter dem Titel "Mundaneum: Archives of Knowledge" auch online zur Verfügung!
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03. Juni 2010
In einem Aufsatz in der FAZ vom 1. März 2010 mit dem Titel "Die Zukunft des Internet – Wie wir mit unserem Leben in Verbindung bleiben" (ob der kryptische Link wirklich von überall funktioniert, kann ich nicht sagen!?) beschreibt der Computerwissenschaftler David Gelernter seine Vision von der Zukunft des Internets.
Im 6. Punkt "Informationsflut" seines Beitrages beschreibt Gelernter zunächst keine neue Erkenntnis:
Bekanntlich führt das Internet zu einer ‘Informationsflut’, die ein Problem mit zwei Aspekten ist: Einer zunehmenden Zahl von Quellen steht ein zunehmender Informationsfluss pro Quelle gegenüber.
Passend zu meinem vorigen Blog-Beitrag auch sein Hinweis: "Geht nicht auf die Internetschule!" (Punkt 18)
In seinem letzten Punkt "19. Die Verzerrung des Internet" stellt er die interessante Frage "Wenn dies das Informationszeitalter ist, was wissen dann unsere Kinder, das unsere Eltern nicht wussten?" Seine Antwort:
Sie wissen ums Jetzt.
Die Netzkultur ist eine Kultur der Jetzigkeit. Das Internet lässt uns wissen, was unsere Freunde und die Welt jetzt gerade treiben, [...] Jetzigkeit ist eines der wichtigsten kulturellen Phänomene der Moderne [...]
Und dies hat nach Gelernter Auswirkungen auf unser historisches Bewusstsein, genauer auf dessen drohenden Verlust:
Je mehr wir über das Jetzt lernen, desto weniger wissen wir über das Damals. [...] Der Effekt der Jetzigkeit gleicht dem der Lichtverschmutzung in Großstädten, die es unmöglich macht, die Sterne zu sehen. Eine Flut von Informationen über die Gegenwart schließt die Vergangenheit aus.
Aufmerksam auf den Artikel von Gelernter wurde ich durch ein kurzes Zitat in der Druckausgabe der Hochschulzeitung “TU intern” der TU Berlin (Ausgabe Mai 2010).
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01. Juni 2010
Anlässlich eines Blog-Eintrages von Dörte Böhner zum neuen Tutorial von Lotse zum Thema Plagiate erläutert Lambert Heller in einem Kommentar seine kritische Sicht zu bibliothekarischen Aktivitäten im Bereich Informationskompetenz. Eine äusserst spannende Diskussion, die auch im Infobib Blog aufgegriffen wurde.
Auch bei Twitter gab es dazu einen vielleicht etwas stark zugespitzten Austausch zwischen Lambert Heller und Till Kinstler am 14. Mai 2010:
Lambo: Besonders ärgerlich an LOTSE ist jedoch die pädagogisierende Prämisse: “Halt’ die Klappe und folge den Leuten, die sich auskennen.”
Tillk: @/Lambo Die Pädagogik ist schon über den Nürnberger Trichter hinaus, vor allem bei eLearning. Aber nicht-Pädagogen haben davon selten Ahnung.
Lambo: @/tillk Wenn mir jemand auf Augenhöhe sagt, was er entdeckt hat, warum er es wichtig findet etc, dann höre ich zu. Verzichte auf Belehrung.
(Quellen bei Twitter: 1, 2, 3)
Leider werden solche Diskussionen viel zu wenig geführt! Kommentar von Dörte Böhner zur Diskussion zu ihrem Blog-Beitrag:
Eine kritische Auseinandersetzung mit Angeboten zur Vermittlung von Informationskompetenz ist notwendig und lässt sich sicherlich einfacher auf einer verbalen Basis führen, aber sie sollte dennoch schriftlich fixiert werden. Ein ‘realer’ Austausch sollte auf jeden Fall stattfinden.
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11. Mai 2010
Das Bibcamp in Hannover am 7. und 8. Mai 2010 war wirklich eine aussergewöhnliche Veranstaltung, dank all der Teilnehmenden, Organisatoren und Sponsoren! Ein paar allgemeine Bemerkungen zum Bibcamp:
- Bei sonstigen Bibliothekskonferenzen reist man an, weiss schon vorher genau, wer zu welchen Themen vorträgt. Manchmal weiss man sogar im voraus, was derjenige sagen wird.
30 Minuten Vortragszeit wird von den Vortragenden meistens zu 90% ausgenutzt und dann bleibt maximal noch Zeit für ein, zwei Fragen. Diskussionen passeren selten und wenn nur privat in den Pausen.
- Ganz anders das Bibcamp! Man fährt hin, ohne genau zu wissen, was einen erwartet. Man weiss, man kann selbst eine Session vorschlagen, ist sich aber unsicher, ob es dafür überhaupt genug Zuhörende gibt. Die Vorschläge bei der Sessionplanung zeigten dann ganz schnell, dass man sich eigentlich drei- oder vierteilen müsste, um all diese interessanten Themen mitzubekommen. Man kann dann nur auf eine gute Dokumentation im Bibcamp-Wiki hoffen! Lange Vorträge sind tabu und die Nutzung von Folien wird kritisch hinterfragt. Bei allen Sessions, die ich besucht habe, wurde in der Regel mit mindestens einem Diskussionsbeitrag vom gröten Teil der Session-Teilnehmenden etwas beigesteuert!
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28. April 2010
Jakob Voss und Adrian Pohl diskutieren in ihren Blogs die spannende Frage “Was sind Daten?”. Für deren Beantwortung werden immer auch weitere wichtige Grundbegriffe des Informationswesen reflektiert (vgl. dazu auch einen Beitrag in diesem Blog).
Aufpassen muss man bei solchen Begriffs-Diskussionen (siehe z.B. auch), dass man nicht bei so etwas landet wie beim Begriff “Information”, dem sogenannten “Capurroschen Trilemma“!
Bertram C. Brookes bezeichnete (schon 1975) das Problem, das intuitive Alltagsverständnis von Begriffen wie Daten, Information, Wissen, Text, Dokument usw. in theoretische, wissenschaftliche Konzepte zu überführen, sogar als das "fundamental problem of information science" (nach Luke Tredinnick (ein Hinweis in diesem Blog): Digital information contexts : theoretical approaches to understanding digital information. Chandos, 2006, hier S. 3). Eine Hilfe beim “Absaufen” bietet z.B. “The Epistemological Lifeboat – Epistemology and Philosophy of Science for Information Scientists” des Dänen Birger Hjørland, der zusammen mit Capurro auch das Review “The Concept of Information” (Annual Review of Information Science and Technology 37, 2003, pp. 343-411) geschrieben hat.
So ist für mich die Frage, welchen Informationsbegriff man eigentlich zugrunde legt, sicher auch dafür relevant, welchen Begriff von Informationskompetenz man verwendet.
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22. April 2010
Eine französische Dissertation mit dem Titel "La culture de l’information en reformation" von Olivier Le Deuff (vgl. auch meinen Blog-Eintrag vom Dezember 2008!). Schade, das mein Französisch nicht gut genug ist, um so etwas bequem zu lesen.
The aim of this work is to define the culture of information in a conceptual way. The genealogical and archaeological examination of the concept shows a diversity of representations.
We will try to demonstrate the various inheritances of the culture of information. This is a technical culture in Simondon‘s way, that is to say a culture which is not only based on the usages of the technical objects, but also on their understanding. This relationship with technical objects is called state of majority by Simondon. This state is close to the state of maturity of understanding as defined by Kant in his text about the Enlightenment. We will also examine the proximity between culture of information and information literacy. Lots of researches observe a convergence with old and new media.
The culture of information is becoming increasingly becoming a culture of communication or a culture of hypomnemata as defined by Stiegler.
We will try to show new ways of development of the concept of culture of information particularly to allow an intergenerational transmission.
Keywords : culture of information, information literacy, literacies, young generations
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21. April 2010
Eigentlich war das Ganze als April-Scherz geplant: Um deutlich zu machen, dass es Open-Source-Komponenten für Bibliothekskataloge und lokale Bibliothekssysteme gibt, die durchaus mit kommerziellen Lösungen (wie Touchpoint und Primo) mithalten können, sollte ein auf der Nutzung der Software vufind basierter Fake einer neuen Oberfläche für den Katalog der Universitätsbibliothek der TU Hamburg-Harburg angeboten werden. Schnell wurde bei den beiden Kollegen Oliver Marahrens und Heiko Weier, die diese Idee hatten, deutlich, dass hier mehr rauskommen kann und innerhalb kurzer Zeit (ohne irgendwelche Fokusgruppen-Interviews und Usability-Tests) war eine gut funktionierende Oberfläche verfügbar, die dann am 1. April als Beta-Version online ging. Nun wirft das Ergebnis dieses Aprilscherzes auch Fragen nach der Zukunft von Bibliothekskatalogen überhaupt auf!
Im Sinne der Zukunftswerkstatt hat die TUHH-Bibliothek einfach etwas ausprobiert, und damit herumgespielt. Web 2.0 heisst eben mitmachen, mitproduzieren und selbst ausprobieren. Und wie es mein Kollege Heiko Weier ausdrückt:
“Vielfalt ist das Schlagwort. Manche mögen OPC4, andere Beluga, oder Touchpoint, oder Primo oder eben Vufind…”
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15. April 2010
Angeregt durch einen Hinweis von Sheila Webber in ihrem Blog auf einen Guide zum Thema Peer Review habe ich die Website des britischen Research Information Networks (RIN) etwas genauer angeschaut, wahrlich eine Fundgrube (vgl. z.B. die "current news"). Schade, dass es so etwas nicht in Deutschland gibt!
Themen des RIN sind:
- Using and accessing information resources
- Communicating and disseminating research
- Data management and curation
- Research funding: policy and guidance
- Researcher development and skills
Challenges for academic libraries in difficult economic times heisst zum Beispiel ein Report, der erst vor kurzem veröffentlicht wurde!
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