Philosophische Hintergründe und Diskussionen zum modernen Informationswesen

08. Mai 2012

In letzter Zeit sind zwei interessante Artikel erschienen, die Phänomene des modernen Informationswesens wie hier Urheberrecht und Transparenz stark philosophisch betrachten:

Auf den Frankfurter, in Südkorea geborenen Philosophen Byung-Chul Han bin ich letztes Jahr erstmals durch sein Buch "Hyperkulturalität : Kultur und Globalisierung" (Berlin : Merve-Verl., 2005) aufmerksam geworden. Er hat einen Blick von außen, quasi einen "Anderen Blick" auf viele Dinge, die auch für die Informationswissenschaft interessant sind. Dieser kulturell-philosophisch geprägte Blick öffnet bei mir manchmal andere Sichten auf Begriffe, wie etwa beim für mich bisher vorgefasst positiv besetzten Begriff Transparenz. Und dann kann es hier auch ganz schnell aktuell politisch werden (siehe dazu auch die spannende und umfangreiche Diskussion zum Artikel von Han im Tagesspiegel!).

In seinem Buch "Transparenzgesellschaft" (Berlin : Matthes & Seitz, 2012), das obiger Artikel zusammenfasst, schreibt Byung-Chul Han z.B.:

"Die sozialen Medien und personalisierten Suchmaschinen errichten im Netz einen absoluten Nahraum, in dem das Außen eliminiert ist. Dort begegnet man nur sich und seinesgleichen. Es ist keine Negativität mehr vorhanden, die eine Veränderung möglich machen würde. Diese digitale Nachbarschaft präsentiert dem Teilnehmer nur jene Ausschnitte der Welt, die ihm gefallen. So baut sie die Öffentlichkeit, das öffentliche, ja kritische Bewusstsein ab und privatisiert die Welt. Das Netz verwandelt sich in eine Intimsphäre oder eine Wohlfühlzone. Die Nähe, aus der jede Ferne beseitigt ist, ist auch eine Ausdrucksform der Transparenz." (S. 58-59)

Forschung umfasst Informationskompetenz

07. Mai 2012

Dies wird besonders deutlich in zwei Papieren aus dem britischen Raum, auf die Sheila Webber gerade in ihrem Blog hingewiesen hat:

Beide sind von Vitae, einer nationalen britischen Organisation zur Förderung individueller Kompetenzen von Forschenden, für die es wohl kein Pendant im deutschen Raum gibt. Auch Career Center an deutschen Universitäten finden hier sicher viele wertvolle Tipps.

Zur Situation des Themas Informationskompetenz in deutschen Uni-Bibliotheken

05. April 2012

Nach einem Überblick zum Thema Informationskompetenz in Deutschland 2010 folgt hier nun eine Einschätzung der Situation nach dem Jahr 2011. Themen sind:

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10 Bücher für ein ganzheitliches Verständnis von Informationskompetenz

29. März 2012

Solche Listen sind immer eine beliebte Beschäftigung und Anregung zur Diskussion. Hier folgt eine Liste von aus meiner jetzigen Sicht zehn wichtigen Bücher für ein ganzheitliches Verständnis von Informationskompetenz:

  1. Critical library instruction : theories and methods / Maria T. Accardi, … (Hrsg.) Duluth, Minn.: Library Juice Press, 2010.
    Informationskompetenz kritisch reflektiert.
  2. Deep Search : Politik des Suchens jenseits von Google / Konrad Becker, … (Hrsg.). Innsbruck: Studien-Verl., 2009.
    Suchmaschinen und ihre gesellschaftlich-kulturelle Bedeutung.
  3. How to research / Loraine Blaxter, C. Hughes, M. Tight. 4. ed. Maidenhead: Open Univ. Press, 2010.
    Alle Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens aus einem Guss.
  4. #public_life : digitale Intimität, die Privatsphäre und das Netz
    Heinrich-Böll-Stiftung. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, 2011. (Auch online).
    Kompetent und bewusst mit eigenen und fremden Daten (nicht nur) im Web 2.0. umgehen.
  5. Schlüsselkompetenzen : Literatur recherchieren in Bibliotheken und Internet / Fabian Franke, Annette Klein und André Schüller-Zwierlein. Stuttgart: Metzler, 2010.
    Praktische Informationskompetenz aus bibliothekarischer Sicht.
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‘Wahrnehmen’ von Leitung

28. März 2012

Da ich ja schon seit einigen Jahren in einer kleineren Universitätsbibliothek eine Leitungsposition innehabe, beschäftigt mich das Thema ‘Wahrnehmen’ von Leitung eigentlich ständig. Und ‘Wahrnehmen von Leitung’ bedeutet immer zweierlei, einerseits wie ich selbst meine Leitungsposition wahrnehme, also aktiv gestalte, oder andererseits wie diese von anderen Menschen wahrgenommen wird. Eigentlich kommt noch mehr hinzu:

"Wie eine Person ist, wie sie auf andere wirkt und wie sie sich selbst sieht, sind drei verschiedene Paar Schuhe." (S. 177)

Obigen Satz habe ich einem Buch entnommen, das ich zur Zeit lese und das mir beim Reflektieren über das Thema viel hilft: Führen : Worauf es wirklich ankommt / von Daniel F. Pinnow. 5. Aufl. Wiesbaden : Gabler Verlag / Springer, 2011. Nur der Titel gefällt mir nicht so ganz, Führung als Begriff hat für mich immer noch einen unangenehmen Beigeschmack, Leitung als Begriff klingt sehr handwerklich, da fehlt manches Philosophische, was bei Führung mitschwingt, eigentlich erscheint mir zur Zeit der Begriff Management als der beste.

Am meisten angetan hat mir bisher das 3. Kapitel des Buches mit dem Titel "Systemische Führung. Oder: Eine Welt gestalten, der andere gerne angehören wollen".
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Google unterstützt seine Wurzeln – das Mundaneum im belgischen Mons

16. März 2012

Das Mundaneum liegt in Mons, südwestlich von Brüssel. Es beherbergt u.a. den Nachlass von Paul Otlet, der in diesem Blog schon oft erwähnt wurde. Google wird in Zukunft eine Partnerschaft zwischen dem Mundaneum, das auch schon als frühes "Google auf dem Papier" bezeichnet wurde, und der Universität im belgischen Ghent unterstützen.

All dies führte nun im März 2012 zu einem Beitrag im Google European Policy Blog und zu diversen Presse-Reaktionen.

Diskussionen um Wissenschaftsverlage, Open Access etc.

17. Februar 2012

Ein paar Links zur Diskussion der letzten Tage:

Lochkarten und Dokumentation

10. Februar 2012

Auf die Website "Isotype" von Philipp Messner habe ich schon einmal hingewiesen. Nun ist ein weiterer Abschnitt "Lochkarten und Dokumentation" zur Informationsgeschichte neu, der einen Text mit dem Titel "‘Technische Hilfsmittel geistiger Arbeit’ – Lochkarten in der Dokumentation" enthält.

Sehr schön die zeitgenössische Werbung: Lassen sich Gedanken sieben?

Theoretisch-philosophische Reflexionen zu Bibliothek und Information

16. Januar 2012

Ausgehend von einem Durchblättern des schwergewichtigen Buches "The atlas of new librarianship" von R. David Lankes (Cambridge, Mass.: MIT Press, 2011), zu dem es auch eine spannende Website gibt, suchte ich nach ein paar Rezensionen, fand z.B. die von Dale Askey, und landete in einem Blog mit dem Namen "Sense and Reference".

Dieses enthielt nicht nur eine ausführliche, sehr kritische Besprechung von Lankes’ Buch, sondern in anderen Beiträgen faszinierende Auseinandersetzungen mit grundsätzlichen philosophischen Fragen zu Bibliothek und Information, so auch einen Lankes’ Ansatz weiter kritisierenden Beitrag mit dem Titel "Libraries are not in the construction business".

Ich stimme mit dem Autor des Blogs "Sense and Reference", Lane Wilkinson, in vielen Punkten nicht überein – so vertritt er aus meiner Sicht einer zu einseitig realistische Haltung. Trotzdem sind viele Beiträge spannend, um z.B. die eigene Haltung zu schärfen. In der Diskussion zum zuletzt genannten Blog-Beitrag hat Angela Pashia meine Haltung zur Position von Wilkinson so mit ausgedrückt:

We need a middle ground that breeds a healthy skepticism (I like to think of that as information literacy, the ability to evaluate an information resource) without denying either an objective external reality or the influence of social conditions on learned human behavior.

Ein ebenfalls interessanter Blog-Beitrag befasst sich mit den Themen Literacy und Transliteracy.

BTW: Innerhalb einer Umfrage zum Thema Meta-Literacy von Thomas P. Mackey (siehe auch seinen Aufsatz mit Trudy E. Jacobson "Reframing Information Literacy as a Metaliteracy") habe ich übrigens zur Frage "Which of the following literacies do you think are components of information literacy?" – es folgten "Media literacy, Digital literacy, Cyber literacy, Visual literacy, Mobile literacy, Critical literacy, Health literacy, Other (please specify)" – bemerkt:

You can find dozens of discussions which special literacy is part of which other special literacy. It is a question of the viewpoint and socialization of the discussion member. In case you define ‘literacy’ as „engaging with information in all of its modalities“ like O’Farrill, Ruben Toledano: Information literacy and knowledge management. Preparations for an arranged marriage (In: Libri 58 (2008) p. 155-171, p. 16) all above is literacy! [...] but perhaps you should define meta-literacy as ‘reflecting about literacy’ what I would like.

Wilkinson bietet in seinem Blog auch eine Zusammenstellung von Lektüre zum Thema "Library and Philosophy".

Man müsste auch mal darüber nachdenken, was zum Thema "Theoretisch-philosophische Reflexionen zu Bibliothek und Information" in Deutschland sichtbar ist. Rafael Capurro und auch Uwe Jochum sind mir da sofort eingefallen. Und natürlich der umtriebige Libreas-Blog mit Ben Kaden, der gerade Anfang des Jahres einen Überblick zur Forschung im Bibliotheks- und Informationswissenschaft im Jahre 2011 gegeben hat! Auf dem letzten Bibliothekartag gab es immerhin eine Session zu ethischen Fragen!

Fragen Sie mich übrigens nicht, wann man dann Ganze lesen soll, wenn man als Praktiker in einer Bibliothek arbeitet! Daher hier auch nur ein Hinweis auf die Möglichkeiten, die ich so wahrgenommen habe.

Nachdenken über Informationskompetenz …

13. Januar 2012

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